Fundsachen

Wir sind im September letzten Jahres umgezogen, nach jahrelangem Warten hatte die Genossenschaft endlich eine größere Wohnung für uns. Im Nebenhaus – und schon fertig saniert. Es war wie ein 6er im Lotto. Mehr Platz, neues Bad, neue Küche – was will man mehr?
Das Umzugsunternehmen schleppte Kisten über Kisten rüber, und wir sahen uns einem schier unbezwingbaren Kistenchaos gegenüber. Fast 80 Kisten wollten ausgepackt werden.

Bis heute haben wir noch nicht alle leer, aber alle mindestens 100mal durchgewühlt, weil was fehlte was wir brauchten.
Wenn wir es denn gefunden haben.
Recht schnell merkten wir, dass EINE wichtige Küchenkiste irgendwie weg war. Keine Küchenwaage, und unser Besteck war deutlich dezimiert. Wir hatten vorm Umzug definitiv mehr als 2 Teelöffel, und auch mehr Messer und Gabeln. Und überhaupt, es fehlten alle Gemüseschäler und die ganzen guten Messer. Wir haben die Sachen einfach nicht gefunden und manchmal schon geunkt, dass die Kiste geklaut worden ist im Nebenhaus. So ein Umzugsunternehmen stellt ja nen Karton gerne auch mal für ein paar Minuten im Treppenhaus ab.
Ich hab nicht mehr daran geglaubt dass die Sachen jemals wieder auftauchen würden, wir hatten die Kisten ja auch immer wieder durchsucht.

Gestern abend dann schien mein Mann erleuchtet worden zu sein. Ich hörte nur ein Kistenrumpeln aus dem Wohnzimmer und plötzlich erfreutes Lachquietschen. Und mein Mann kam zu mir rüber und strahlte und zeigte mir die Küchenwaage. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Alle paar Minuten wurden mir Fundstücke gezeigt „schau mal hier“ und „das suchten wir auch, oder“. Es tauchten viele Dinge auf, die monatelang verschollen waren. Das Ladegerät für die elektrische Zahnbürste meines Mannes, das Ladegerät für seinen Rasierer – wie lange hatte er eine manuelle Zahnbürste benutzt und sich mit seinem alten Notrasierer beholfen.
Es war wie Weihnachten und Geburtstag. Ok, das ist nun etwas übertrieben, aber es kam dem schon recht nah. Vor allem als mein Mann lachend einen Besteckkasten wie ein Tablett vor sich hertrug, mir unter die Nase hielt und dann trällernd in die Küche brachte. Ja, da waren all die Messer und Teelöffel und Schäler und alles was wir vermisst hatten.
Auch das Ladekabel für meinen NintendoDS war mit in der Kiste – endlich kann ich wieder daddeln, der Akku ist schon lange leer und ich dachte immer „ach, irgendwann taucht das Kabel schon irgendwo wieder auf, les ich halt derweil“.

Tja, auch wenn man denkt man hätte alle Kisten unendlich oft durchwühlt und wüsste nicht wo manche Dinge noch sein könnten liegen sie einem doch direkt vor der Nase.
Wir wissen nicht warum wir diese Kiste scheinbar immer übersehen haben, vielleicht waren es auch irgendwelche fiesen kleinen Gnome die die Kiste vor uns versteckt hatten und gestern mal unaufmerksam waren.

Besteck.JPG

das verschollene Besteck

30DaysMusicChallenge

Mein erster Blogpost in 2017 wird ein täglicher länger werdender Text voller Musik werden.

Nachdem die #30DaysMusicChallenge seit Tagen in meiner Twittertimeline immer wieder auftaucht dachte ich, ich mache da auch mit. Allerdings im Blog.
Hier ist Platz für ein wenig Text dabei, für Mehrfachnennungen – und es geht nicht unter im Twittergewusel.

Tag 1: A song you like with a colour in the title
Black Moon – Wilco

Das Lied gefällt mir im Moment sehr gut, ich mag die Stimme und die eher ruhigere Stimmung.
Hörenswert auch:
Black Hole Sun – Sundgarden, Black Coffee – Sinéad O‘Conner, Orange Sky – Alexi Murdoch, Grey Room – Damien Rice, Golden Cage – The Whitest Boy Alive, A whiter Shade of Pale – Procul Harum

Tag 2: A song you like with a number in the title
Seven Devils – Florence and the Machine
Geiles Lied, geile Stimme.
Hörenswert auch
50 ways to leave your lover – Paul Simon

Tag 3: A song that reminds you of summertime
Schon am dritten Tag wird es schwer für mich.
Ich bin kein Sommermensch (mehr), und typische Sommermusik gibt es für mich nicht.
Hab nichts was mich an den Sommer erinnert im Repertoire. Nichts nada nischt niente.
Ein Lied welches mit an Winter, Frühling oder Herbst erinnert hab ich allerdings auch nicht.

Tag 4: A song that reminds you of someone you would rather forget about
Plain White T’s – Hey There Delilah
Dieses Lied verbinde ich mit einer Person, die fast mal Freund war, aber mittlerweile nur noch unangenehm ist. Wenn sie denn mal auftaucht ist sie idR betrunken und wird aufdringlich.
Zum Glück sind diese Momente sehr selten und auch nur virtuell.
Ich mach das Lied aber nicht aus wenn es im Radio kommt, das seh ich gar nicht ein.

Tag 5: A song that needs to be played LOUD
Keine Frage: Darude – Sandstorm
Das dürfen unsere Nachbarn jetzt gerade auch erleben. Um halb 8 morgens. Ok, die Boxen sind nicht ganz so aufgedreht wie sie sein könnten ^^
Eigentlich stehe ich nicht so auf diese Art von Musik, aber dieses Lied ist einfach nur Hammer und pustet die Ohren durch.
Sehr gut macht sich laut auch: Sabotage – Beastie Boys

Tag 6: a song that makes you want to dance
Ähm ja. Ich bin nicht so der Tanztyp. Klar gibt es Lieder da „juckts einem in den Füßen“. Aber je mehr ich gerade nachdenke umso weniger fällt mir einer ein. Mein Tanzen ist auch eher ein „ich wedel mit den Händen und zucke in den Schultern“

Tag 7: a song to drive to
Wir haben hören auf längeren Fahrten IMMER Tenacious D – Tribute. Und selbstverständlich wird LAUT mitgegrölt. Das macht jede Autofahrt zu einem „Erlebnis“ und ist Standard.
Gut bei Autofahrten kommt natürlich auch Lil John & The East Side Boyz – Get Low. Need for Speed Underground Spieler werdens kennen ^^

Tag 8: a song about drugs or alcohol
White Rabbit – Jefferson Airplane
Ein hörbares und bekanntes Cover von dem Lied ist von Emiliana Torrini, bekannt aus dem Film Sucker Punch.

Tag 9:  a song that makes you happy
If you wanna be happy for the rest of your life – Jimmy Soul
Aus dem Film Meerjungfrauen küssen besser.

Tag 10: a song that makes you sad
Traurig macht mich Musik nicht. Eher melancholisch vielleicht.
Auf alle Fälle geht dieses Lied in die Richtung: Dit-elle von Jorane.

Tag 11: a song you never get tired of
Uh, ein Lied welches ich immer hören kann. Uff. Meine Playlist hat da ein paar Lieder die immer wieder bei mir laufen, und bei denen ich auch begeistert mitsinge, meine Nachbarn mögen es mir verzeihen.
Ich glaube der Klassiker Bohemian Rhapsody von Queen ist eines der Lieder, auf die es am meisten zutrifft dass ich mich daran nicht überhöre.

Tag 12: a song from your preteen years
Oh je, da ich 76 geboren bin zählt ja alles bis 89/90.
Nachdem ich gerade die Top 100 Jahrescharts der 80er durchgesehen hab musste ich bei einem Lied sofort nicken und wusste – jepp, das hast du damals immer mitgesungen, obwohl du es nicht so toll fandest. Milli Vanilli – Girl you know it’s true von 1988.
Erwähnenswert auch noch: Push it – Salt n Pepa, The Look – Roxette (das haben wir sogar in der Schule im Musikunterricht gesungen), Like a Prayer – Madonna

Tag 13: one of your favourites 70s songs
Was ich früher sehr sehr gern gehört habe, und wo ich heute immer noch große Teile des Textes drauf hab ist Cecilia von Simon & Garfunkel. Die 70er sind aber voll von guter Musik, ich sag nur Queen.

Tag 14: a song that you would love played at your wedding
Ein Hochzeitslied?!
Sowas schmalziges und kitschiges gabs nicht bei uns.
Und ich finde diese Hochzeiten mit Lied und Party und so furchtbar.

Spendenaufrufe, Geschenke…

Schwieriges Thema.
Ich muss dazu ein wenig ausholen.
Über Geschenke.
Über Luxusbedürfnisse und ihre Befriedigung.

Ich freue mich anderen eine Freude zu machen. Aber es sind eher kleine Gesten, Kleinigkeiten, es muss nicht etwas Materielles sein.
Ein Zettelchen auf dem Schreibtisch, eine Postkarte aus dem Urlaub – Dinge, die andere erfreuen und die von Herzen kommen.
In der Regel sind dies Menschen aus meinem näheren Umfeld, Verwandte, gute Bekannte.
Und Geschenke haben etwas Intimes, Privates. Ich weiß was sich der andere wünscht bzw. was ihn freut. Ich brauche dafür keine Wunschlisten, ich habe auch als Kind nie welche geschrieben und auch nie welche von meinen Eltern bekommen.
Eine Wunschliste ist wie ein Einkaufszettel, irgendwie seelenlos.

Geschenke bekommen ist schwierig. Ich freue mich auch über Postkarten, über kleine Nettigkeiten, wobei diese mich schon verlegen machen können. Ich weiß oft nicht wie ich reagieren soll. Reicht ein Danke? Muss ich mich auf eine bestimmte Weise freuen? Geburtstage waren immer sehr zwiegespalten. Klar, was bekommen ist immer toll – aber andererseits auch die gefühlte Erwartung der anderen, die erwartungsvollen gespannten Blicke.

Ich habe gelernt, dass Luxusgüter (Hobby, Fun, „nice to have“) nicht oberste Priorität sind. Dass sie sich „verdient“ werden müssen. Ich also etwas dafür tun muss. Sparen, warten, verzichten – was auch immer.
Ich brauche sie nicht heute. Morgen ist auch ok. Oder übermorgen, sie laufen nicht weg.
Sie machen das Leben schön, besser – aber sind nicht lebensnotwendig.
Ich trenne auch ziemlich klar zwischen „brauch ich wirklich“ und „kann ich mir mal gönnen“.
Mir tut verzichten nicht weh – eher lässt es die Spannung steigen und ich freue mich am Ende umso mehr.
Und wenn ich mir etwas nicht leisten kann – hab ich schlicht Pech gehabt. Ist zwar blöd, aber es ist halt nun mal so. Nicht jeder Mensch kann alles haben was er will. Ich habe damit kein Problem.
Und: Träume und Wünsche (wenn ich mal Geld hab kauf ich mir das und das) sind auch spannend und Luftschlösser machen Spaß.
(wir reden immer noch über Luxusgüter, nur mal als Erinnerung)

Um Hilfe zu bitten, in welcher Hinsicht auch immer, ist sehr sehr schwer.
Bedürfnisse zu äußern, auch wenn sie existentiell sind, ist fast unmöglich für mich. Das ist definitiv eine meiner Baustellen. Und ja, auch ich hatte Zeiten ohne einen Cent, mit fristloser Wohnungskündigung und und und und.

Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, denen es so klapprig geht, dass sie über ihren Schatten springen und um Hilfe bitten (müssen). Öffentlich um Hilfe bitten. Z.B. bei irgendwelchen Crowdfunding-Seiten.
Ich selber könnte es wohl nicht, aber ich kann nachvollziehen wenn andere es tun.
Wenn andere um Dinge bitten, die lebensnotwendig sind.
Klamotten, Schuhe, Amtskram, Arztkosten, Schulden (die aus Krankheit oder so entstanden sind).
Nebenbei: die wenigsten bitten für sich selber, fast immer bitten Freunde/Verwandte für sie.
Das hat alles irgendwie KEINEN unangenehmen Beigeschmack für mich.

Und dann gibt es gehäuft Anfragen, wo die Leute direkt für sich fragen.
Für Luxusartikel. Computerzubehör, Tattoos. Für Fun.
Und es macht mich wütend.
Weil ein Medium benutzt wird, was für mich mit „Notfall“ und „akut“ verbunden ist und mit „da steckt jemand in echt tiefer Scheiße“. Und dann lese ich so etwas wie z.B. „heii, ich möchte ein Tattoo, hab’s Geld auch, aber mehr wäre schon cool“ – und es widert mich fast an.
Ich fühle mich „betrogen“. Und angegriffen von einer dreisten Bitte.

Ich hätte auch gerne so vieles. Einen schnelleren Rechner hätte ich gerne, unser Auto ist auch nicht mehr das Neueste und unser Umzug hat den Dispo ausgereizt. Also – ne Finanzspritze wäre echt schick, weil, so ein besserer Rechner wäre eeeeecht cool. Und dieses Musikinstrument, handgemacht, hach das wäre ein Traum.
NIEMALS, wirklich NIEMALS käme ich auf die Idee (öffentlich, über eine Crowdfundingplattform) danach zu fragen.
Das würde mir in vielerlei Hinsicht gegen den Strich gehen. Weil: Luxusgüter können warten (s.o.) und ich nähme Ressourcen und Aufmerksamkeit denen weg, die über diese Plattformen existentielle Hilfe erfragen. Ich hätte das Gefühl diese Leute zu hintergehen, zu betrügen.

Mit meiner „unwichtigen“ Anfrage und der entsprechenden Verbreitung in den Netzwerken sorge ich dafür, dass andere irgendwann abstumpfen könnten und alle Crowdfunding-Anfragen wegklicken. Weil „ach schon wieder nix wichtiges“. Weil wichtiges in der Masse untergeht. Untergehen könnte.
Mein Egoismus, mein Hedonismus nimmt Raum ein, der eigentlich anderen eher gut täte. Und nein, es geht nicht darum mir den Raum zu verbieten – sondern darum ihn anderen nicht wegzunehmen.

Jetzt kommt natürlich die Frage auf: „was ist wichtig?“. Und wieso erlaubt sie sich etwas in wichtig und unwichtig einzuteilen.
Wenn ich mir die Bedürfnisse nach Dringlichkeit geordnet ansehe sind Luxusbedürfnisse nicht die, die ganz vorne stehen sondern sie stehen hinten an. Hinter allen anderen Dingen. Sie machen das Leben schöner, aber ich brauche sie nicht zum Überleben.
Natürlich ist das auch individuell und verschiebt sich durchaus, aber ich kann bei jeder Sache die ich haben oder machen möchte klar hinterfragen:
Brauche ich es zum Überleben?
Macht es mein Leben schöner/besser/bequemer?
Wäre es cool es zu haben?
Brauche ich es sofort?
Geht auch später?
Und damit ist ein wichtig <–> unwichtig für mich offensichtlich.

Ich wünsche mir mehr Bedachtsamkeit.
Mehr Nachdenken und mehr Ruhe und Geduld, vielleicht auch Genügsamkeit. Vor allem auch in konsumtechnischer Hinsicht.
Der Trend immer alles haben zu müssen und am besten gestern und die fast aggressive Ungeduld wenn es nicht klappt ist irgendwie mehr als befremdlich. Manchmal erscheint es, als ob ein Zwang da wär mitzuhalten oder andere zu übertrumpfen um Anerkennung, Freunde oder Respekt zu finden.

Und warum kümmert es mich ob andere sich ihre Hobbys und ihren Spaß (von Fremden) bezahlen lassen, warum ist es mir nicht egal?
Mir ist es auf die Person bezogen egal..
Aber mir ist es nicht egal wenn ich damit direkt konfrontiert werde. Wenn in meine Timeline immer mehr solche Anfragen gespült werden. Es ist wie an Weihnachten wo alle Hilfsorganisationen sich mit Spendenaufrufen übertrumpfen, es ist too much.
Und mir ist es nicht egal, weil ich finde dass das „Hauptsache ich und Hauptsache ich bekomm es und Hauptsache schnell“ nicht gut für unser gesellschaftliches Miteinander ist…

Denn sie wissen was sie tun

Vor einigen Tagen nahm sich ein Twitterer das Leben.
Und viele Twitterer die ihn kannten und auch viele die ihn nicht kannten nahmen daran Anteil. Im Grunde eigentlich eine tolle Sache, viele erwähnten auch, das Twitter ja doch auch gut sein könnte.

Ich hatte von Beginn an kein gutes Gefühl. Aber nicht, weil sich da jemand das Leben nehmen wollte und es letztendlich auch getan hat.
Sondern weil manche Tweets so typisch, so vorhersehbar und nicht wirklich schön waren. Gut gemeint ist halt nicht unbedingt immer gut.
Natürlich nehmen viele Anteil, und natürlich macht es viele betroffen, keine Frage, das ist auch ok so. Was ich von kollektiven Anteilnahmswellen und Hashtags à la #ripxy  oder #wirfürxy halte spielt hierfür keine Rolle.

Was ich so schal und bitter finde ist schlicht:
„melde Dich“ “Wir sind doch für Dich da“ „Denk an deine Familie“ „Wirf Dein Leben nicht weg“ „das kannst Du nicht machen, Deine Familie“ „Hättest Du was gesagt“ „Du kannst doch mit mir reden“
Solche Texte sind ein Schlag ins Gesicht. Sie unterstellen, die Person hätte sich keinen Kopf gemacht. Die Person wäre leichtfertig, unüberlegt, egoistisch, ignorant.
Tweets mit Unverständnis, Unterstellungen, Anklagen, Vorwürfen.
Ernsthaft – geht’s noch?

Jemand, der nach vielen Jahren mit Schwarzem Hund oder Dunklen Wolken sich entscheidet zu gehen, tut das bestimmt nicht „einfach so“ oder „aus Jux“. Die Person hat vermutlich lange versucht an die Familie zu denken. An den Job, an die Kumpels. An das Funktionieren. An das Stark sein. Hat vermutlich oft genug gegen die Gedanken zu gehen angekämpft. Hat versucht sich Wegpunkte zu setzen, Lichtblicke, Routinen.

Aber manchmal – manchmal reicht das alles nicht, nicht mehr.
Manchmal ist der Akku einfach leer. Und zwar unaufladbar leer.
Stellt Euch eine Kurve vor, auf der es immer hoch und runter geht, so eine Kurve zeichnet den „normalen“ Ablauf: Gute Tage, schlechte Tage, neutralere Tage. Auf schlechte Tage folgen gute, das gibt Kraft und in der schlechteren Phase zehrt man davon. Und unterm Strich passt es.
Es kann nun passieren, dass die guten Phasen immer kürzer und immer schlechter werden. Die daraus gewonnene Energie reicht immer weniger um die schlechten Phasen zu überstehen. Sie werden länger und vielleicht auch tiefer. Das ist ein Prozess, der dauert meistens Jahre. Therapien, Krisenintervention etc. pp können den Level wieder erhöhen, gute Zeiten können wieder Kraft geben – aber es ist oft nicht für immer. Ein Akku brennt irgendwann aus. Es gibt Menschen, denen reicht dieses „Anschubsen“, und der Akku hält und sie werden alt und glücklich. Und es gibt Menschen, bei denen reicht es nicht. Bei denen ist die Energie irgendwann weg.

Was ist daran verwerflich?
Was ist schlimm daran?

Warum muss der Mensch ununterbrochen kämpfen, warum ist es seine Pflicht immer zu kämpfen?
Warum dieses „wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“.
Wer weiß schon, wie viele Kämpfe der andere schon gekämpft hat? Vielleicht tägliche?
Und warum darf man nicht verlieren? Was ist so schlimm daran?
Und wieso ist es überhaupt verlieren? Wenn eine Erkenntnis in einem reift dass es nicht reicht? Vielleicht es ist es ein Gewinn? Ein Gewinn an Selbstbestimmung und Autonomie, vielleicht ist es eine Befreiung aus dem starren System des Starkseinmüssens, des Gewinnenmüssens, des Fremdbestimmtseins und des Anpassens

Das letzte autonome was ein Mensch tun kann ist sich das Leben zu nehmen. Denn das tut er in der Regel allein und für sich.
Wo bleiben der Respekt vor demjenigen, der die Entscheidung trifft und die Akzeptanz der Entscheidung?

Sich das Leben zu nehmen ist ganz unheroisch und braucht nicht hochstilisiert oder verdammt zu werden. Es ist kein Seelenheil und nichts was gefeiert und zelebriert werden muss.
Es ist schlicht und einfach einfach die unheldenhafte Entscheidung nicht mehr zu wollen.
Vielleicht ein wenig feige, vielleicht ein wenig mutig.

Wisst ihr, dieses Starkseinmüssen, dieses Nichtverlierendürfen ist das, was einem oft Kraft raubt.
Immer für andere da sein, nach deren Regeln leben, deren Anforderungen erfüllen. Sie nicht verletzen. Gesellschaftliche/soziale Normen erfüllen. Fehlender erfahrene Respekt, fehlende Achtung und fehlende Anerkennung.
Das alles kostet so viel Kraft und Energie.

Und
wer seid Ihr, die ihr beurteilen könnt wann der andere keine Kraft mehr haben darf?
wer seid ihr, dass ihr Leute krampfhaft festhalten wollt. Weil „es gibt doch noch so viel Schönes“?
wer seid Ihr, dass ihr Euer Leben, Eure Regeln als das Maß der Dinge setzt und anderen dieses aufzwingt?
wer seid Ihr, dass Ihr denkt mit Euch zu reden würde (auf Dauer) etwas ändern?
wer seid Ihr, dass Ihr denkt wenn der andere „nur was gesagt hätte“ wäre alles anders gekommen?
wer seid Ihr, dass Ihr über Leben und Tod anderer entscheiden können wollt?
Das ist übergriffig.
Es ist übergriffig die Polizei zu rufen, wenn eben KEINE Affekthandlung vorliegt oder der Tod nicht als Druckmittel benutzt wird.
Es ist übergriffig zu erwarten dass der andere nur etwas sagen muss.
Ihr spielt Gott. Und das steht Euch nicht zu.
Ihr seid nicht Gott.
Und Ihr seid nicht Jesus, der angeblich Leute heilen konnte.
Und mit einem „Du hättest doch mit uns/mir reden können“ stellt Ihr Euch in den Vordergrund, IHR seid auf einmal wichtig, das Augenmerk liegt auf Euch, IHR seid „fein raus“.
Merkter was?

Vielleicht passt es nicht in euer Weltbild, dass jemand eben nicht mehr kann. Und nicht mehr will. Es gehört sich nicht, das Geschenk des Lebens wegzuwerfen. „Man macht das nicht“.
Dafür erwartet Ihr einen verdammt hohen Preis: u.U. eine jahrelange Selbstaufgabe.
Ihr möchtet nicht konfrontiert werden damit, dass andere nicht funktionieren. Nicht so funktionieren wie Ihr, wie es die Gesellschaft möchte.
Vielleicht wollt Ihr den Schmerz nicht spüren, den ein Verlust mit sich bringt.
Vielleicht habt Ihr Angst, dass Ihr erkennen könntet dass es Euch auch nicht gut geht.
Vielleicht macht es Euch Angst, dass andere keine Angst vor dem Tod haben.
Vielleicht wollt Ihr Euch nicht hinterfragen was schiefgelaufen sein könnte.
Vielleicht wollt Ihr nicht hinterfragen ob Ihr vielleicht direkt oder indirekt Anteil daran gehabt haben könntet.
Ich rede nicht von Schuld. Schuld ist ein zu schweres, zu großes Wort.
Ich rede von den typischen normalen Alltagsmomenten, die von Funktionieren und wenig Sensibilität gekennzeichnet sind, vom selbstverständlichen Fehlen von Safespaces, dem üblichen „ach komm schon“.
Und wenn wir ehrlich sind: wir stecken da alle mehr oder weniger mit drin.

Schaut Euch doch mal um, in Eurem Freundes- Familien- und Bekanntenkreis – oder bei Euch selber.
Wie geht es Euch eigentlich? Und den anderen?

Wisst ihr – was mich bisher im Leben gehalten hat war das Wissen um diese letzte Option.
Das Wissen dass ich immer noch gehen kann. Vielleicht nicht heute, denn vielleicht gibt es hier und da noch was zu erledigen. Aber vielleicht morgen. Oder übermorgen, oder irgendwann. Oder gar nicht.
Es macht gelassen, fast schon cool. Weil „ich kann gehen wenn ich will“.
Dieses Wissen, diese Gelassenheit ist ein Ventil und nimmt so unendlich viel Druck, das könnt Ihr Euch vermutlich nicht vorstellen.

Und wenn ich für mich irgendwann mal diese letzte Entscheidung treffen sollte, dann hat das seine Gründe und ist gut überlegt. Und dann verbitte ich mir jegliche Einmischung und ich bitte darum, dass diese letzte Entscheidung schlicht respektiert wird.

Ich weiß was ich tue.

Poesiealbum

Gestern Abend tauchte in meiner TwitterTimeLine kurz das Thema Poesiealbum auf. Da ich meine Tagebuch/Poesiealbumsschublade gerade parat liegen habe brauchte ich heute nur nach links greifen – und schon hatte ich meine beiden Alben in der Hand.
Danke an @cloudette_ und @MrsCgn für die Anregung nach langer Zeit durch meine Alben zu blättern.

Die älteren werden Poesiealben bestimmt noch kennen.
So mit 11 oder 12 ging es los, kleine, quadratische Büchlein (meistens mit gepolstertem Stoffeinband) mit leeren Seiten wurden in der Schule herumgereicht mit der Bitte, eine Kleinigkeit zu schreiben. In den Ecken oder oben auf der Seite stand hauchfein mit Bleistift die Stelle wo wer reinzuschreiben hatte, damit auch ja niemand vergessen wurde.
Lehrpersonen wurden ebenso einbezogen wie Verwandte.
Poesiealben hatten nur die Mädchen. Jungs hatten diese fertig vorgedruckten Bücher „Meine Schulfreunde“, wo einige Fragen wie Lieblingsessen und Lieblingslehrer beantwortet werden sollten.

Wir nannten die Alben „Pösi“-Album oder nur „Pösi“ – mit der Betonung auf dem Ö.

Meine Mutter erzählte, dass früher Sinnsprüche, manchmal auch Bibelsprüche hingeschrieben wurden, natürlich in allerallerschönster Schrift, dazu ein oder zwei Oblatenbildchen* – fertig war der Eintrag.

Poesiealbuminnen

Innenseite mit Kinderbild von mir und den typischen Oblatenbildchen

Und so war es auch zu meiner Zeit, wobei es keine Bibelsprüche mehr gab, dafür querbeet alles was das Herz begehrt an Sinnsprüchen, Weisheiten und typischen Poesiealbumsprüchen. Oblatenbildchen waren nicht mehr „in“, die meisten haben selber gezeichnet, gemalt – oder Aufkleber dazu geklebt.

„Sei immer froh und heiter wie der Spatz aufm Blitzableiter“
„Wenn Regentropfen leise an Dein Fenster klopfen, dann denke leis bei Dir, das sind Grüße von mir“
„Sobald man in einer Sache Meister geworden ist soll man in einer neuen Schüler werden“

Ich hatte zwei solcher Büchlein.
Meine Eltern schenkten mir eines zum 7. Geburtstag, und ihre Einträge sind die ersten. Danach folgen Onkel und Tanten, Großeltern und Familienfreunde. Das Album wurde schnell ein sehr persönliches Büchlein mit Fotos oder Zeichnungen. Und es war mir lieb und teuer, und ich wollte nicht, dass es in falsche Hände gerät.
Da ich in meiner Klasse keinen guten Stand hatte war es mir zu riskant. Außerdem war damals die Zeit der Filzstifte groß und auch die Mode Ecken umzuknicken – und mein geheiligtes Büchlein sollte sicher und wohlbehütet bleiben.
So gab ich es nur an die Lehrer und Lehrerinnen weiter.
Von 1988 bis 1991 war das Album verschollen: es wurde mir nicht mehr zurückgegeben, die Person zog weg und war nicht mehr erreichbar. Ich weinte bittere Tränen und war sehr enttäuscht. Durch Zufall traf die Person meinen Vater und gab ihm etwas später das Buch verspätet wieder. Ich weiss noch, dass ich gegrinst habe wie ein Honigkuchenpferd und sehr glücklich war.
1997 (mit mittlerweile 21) gab ich es an zwei sehr sehr gute Freundinnen weiter und ihre Texte sind auch die letzten Einträge.

Poesiealbum2

Doppelseite von 1987, mit Bleistiftzeichnung

Das andere Büchlein wanderte bei mir wie bei allen anderen durch die Klasse und wurde fleißig befüllt, es wurde wider Erwarten auch pfleglich damit umgegangen. Irgendwie ist ein Poesiealbum schon etwas besonderes gewesen. Die meisten gaben sich auch große Mühe mit ihren Einträgen.
In der Oberstufe war ich Patin einer 4. Klasse, und ich musste in sehr viele Alben schreiben. Als die Kinder mitbekamen, dass auch ich ein solches Album habe rissen sie sich förmlich darum hineinschreiben zu dürfen.
Es ist innen sehr bunt, voller Aufkleber, Kinderzeichnungen und und und und.

poesiealbum3

Eintrag einer Mitschülerin

Beide Poesiealben sind Erinnerungen, sind „Vergissmichnicht“ und sie durchzublättern war komisch. Der Zahn der Zeit hat ordentlich genagt und die Seiten sind vergilbt und ich musste sehr vorsichtig sein damit sie nicht zerbrechen.
Fast schon eine andächtige Stimmung.
Und gerade bei dem „ErwachsenenAlbum“ musste ich mich schon das ein oder andere Mal räuspern.

Gibt es so etwas heute eigentlich noch, klassische Poesiealben?

 

 

 

*Oblatenbildchen sind Papierbilder, die aus Bögen ausgeschnitten wurden, wo mehrere Bildchen mit kleinen Papierlaschen zusammengehalten wurden. In der Wikipedia steht hier ein guter Artikel dazu:
https://de.wikipedia.org/wiki/Glanzbild

Fernsehen

Heute ist StarWars Day, und überall ist zu lesen, wann und wo und wie toll die erste Begegnung mit einem Starwarsfilm war: als Kinder geschaut oder von den Eltern „in die Macht eingeweiht“ oder was weiß ich.

Und ich?
Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen.
Es gab keinen daheim. Es gab Radio, Bücher, Spiele. Aber keinen Fernseher. DEN gab es zu EM/WM/Olympia – ausgeliehen beim örtlichen Elektronikgeschäft. Und ganz ganz manchmal auch so übers Wochenende. Anfangs in schwarzweiß.
„Bist Du in einer Sekte?“
„Gehörst Du zu einer anderen Religion?“
„Seid Ihr Ökospinner?“ – das waren alltägliche Fragen für mich, wenn ich sagen musste „nein, kenne ich nicht, wir haben keinen Fernseher“.
Wir waren weder in einer Sekte, noch religiös (ich bin nicht mal getauft). Ok, meine Eltern waren solche „linken Spinner, Ökos“. Aber auch das war nicht der Grund für die fernsehlose Zeit.
Meine Mutter erzählte, als ich klein war und draußen vor der Tür spielte mit all den anderen Kindern gingen um kurz vor sechs abends die Fenster auf und die Mütter riefen ihre Kinder rein zur Sesamstraße. Meine Mutter fand das so furchtbar, dass die Kinder aus dem schönsten und fröhlichsten Spiel gerissen wurden nur damit ferngesehen werden konnte, dass sie beschloss den Fernseher „abzuschaffen“.
Wir haben viel Radio gehört und gelesen und gespielt. Viel Zeit miteinander verbracht.
Manchmal bin ich zu IKEA geradelt, IKEA war bei uns im Ort damals, und habe dort Asterix geschaut. Immer und immer wieder.
Wir waren mit der Grundschulklasse mal bei einer Aufzeichnung von 1 2 oder 3. ICH kannte die Sendung nicht, alle anderen schon, die waren total begeistert.
Ein wenig „Alienfeeling“

Die 80er sind fernseh(film)technisch komplett an mir vorbeigegangen. Ich kenne weder die Muppets noch die Sesamstraße. Ok, natürlich kenne ich sie, natürlich habe auch ich mal was davon gesehen. Aber ich kann nicht mal benennen wer da wer ist. Ebenso bei der Sendung mit der Maus und Löwenzahn/Pusteblume.
Als MTV auch in Deutschland zu sehen war und alle über die neuesten Musikvideos sprachen konnte ich nur mit den Achseln zucken.
Ende der 80er hatten meine Eltern dann einen Fernseher. Aufgrund des Schichtdienstes meines Vaters hatten meine Eltern getrennte Schlafzimmer, und das Zimmer meiner Mutter war sozusagen auch das Wohnzimmer, und da stand der Fernseher. Viel geschaut haben wir nicht. Mich reizte es kaum. Und die ganzen Filme, die damals kamen durfte ich nicht schauen. So eine MännlichkeitsHeroischeFrauenfeindlicheDummscheisse war tabu. Als mein Vater sich einen gebrauchten alten Fernseher für sein Schlafzimmer kaufte (30 Mark bei der AnnoncenAvis) konnte ich sehr selten mal etwas von dem Verbotenen erhaschen. Meine Mutter motzte die ganze Zeit rum, dass so eine Scheiße geschaut wird und dass es einen verderben würde und wie man so etwas nur gut finden könnte. Mein Vater ließ es an sich abprallen, und manchmal konnte ich halt mitschauen, meist war eh schon Familienkrieg. So hab ich den „weißen Hai“ gesehen und den ein oder anderen BudSpencerTerenceHill-Film.
Die WM 1990 haben mein Vater und ich auch auf dem alten Schwarzweiß-Kasten gesehen, der alle paar Minuten einen kräftigen Schlag auf die Seite brauchte, damit der Ton wieder kam.
Mit meiner Mutter wurde Anfang der 90er jedes Wochenende kuschelnd „mtv european top 20“ geschaut, das war schon irgendwie was Besonderes.

Bis heute haben Film und Fernsehen keine große Bedeutung für mich. Ich habe als Jugendliche ein oder zwei Sommer die Sommerkinoaktion mitgemacht und einige aktuelle Filme geschaut, aber Cineastin bin ich nicht geworden.
Als Studentin hab ich mir umgehend einen kleinen Fernseher gekauft, und ich habe einiges „nachgeholt“. Dabei gab es auch den ein oder anderen Film der mich faszinierte, meistens auf Arte oder Bayern3. Ich entdeckte die Filme Kieslowskys für mich und auch heute noch schaue ich sie, wenn ich mal mitbekomme dass sie im Fernsehen kommen.
Die meisten Hollywoodfilme erreichen mich nicht. Also sie sprechen mich nicht an. Sie sind teilweise ganz nett oder ok, oder auch mal cool – aber ich verfalle nicht in Jubelstürme.
Ich gehe auch nicht gerne ins Kino, mir ist das alles zu viel: zu laut zu unfrei zu überbordend zu viele Leute um mich rum.
Was nicht heißt dass ich nicht den ein oder anderen Film im Kino gesehen hab^^
Zoomania vor 4 Wochen war schon schick – ich war nach vielen Jahren mal wieder im Kino.

Und StarWars?
Ja gut. Diese Filme gibt es.
Und ich muss zugeben, sie hauen mich nicht vom Hocker.
Ich habe Krieg der Sterne 1986/87 in der Schule gesehen, im Englischunterricht (auf Deutsch), als der Lehrer keine Lust auf unterrichten hatte bzw. mal wieder anders beschäftigt war und uns ruhig stellen wollte, was meine Mutter sehr erzürnte (sie hielt diese Filme für männerheroisierende Kackscheisse, welche nicht geschaut werden durfte). Die meisten kannten den Film, eigentlich alle, und waren begeistert. Ich habe mich gelangweilt, ich fand den furchtbar. Ich verstand nicht, was daran so toll war. Das einzig coole war das Ende, der explodierende Todesstern. Das war spannend, das hat mich beeindruckt. Aber der Film an sich – ne, den musste ich nicht haben.

2001 lernte ich meinen heutigen Mann kennen, und der brachte mir irgendwann Episode1 mit, ich weiß nicht mehr wann. Und jaaa, ok, Episode1 gefällt mir. Gefällt mir sehr. Das Podrace, die Musik – der Film ist schon sehr cool. Rückwirkend habe ich auch nochmal die anderen Teile gesehen, bzw. da mal reingeschaut. Sie hauen mich immer noch nicht vom Hocker, sie bedeuten mir nichts, und ich hab sie nicht mal aufmerksam zu Ende gesehen weil ich sie unansprechend und langweilig fand.
Aber Episode1 – joaaaa, den hab ich wohl mehrfach mittlerweile gesehen ^^

Der ganze StarWars Hype ist an mir vorbeigegangen. Komplett. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn meine Eltern mich an einem gemütlichen Fernsehabend in diese Welt eingeführt und mich angesteckt hätten.

Aber:
Ich mag Lichtschwerter, Droids, die Kantine, Podraces.
Ich habe auch die Computerspiele gerne gespielt.

Intermezzo

Vor einigen Tagen tauchte das Thema Menstruation (Mens, Tage, Mensis, Rote Zora, Periode etc. pp.) in meiner timeline auf und heute kam fast wie abgesprochen auch noch thematisch passend das Podcast von @kleinerdrei heraus. 
Und nun fasse ich mir ein Herz und schreibe auch mal etwas dazu.

Ich war aufgeklärt.
Ich wusste was passiert.
Was irgendwann unweigerlich auch mir passieren wird.
Und es wurde mir als erwachsenwerden und zurFrauwerden verkauft, also als etwas Schönes und Starkes. Aber auch als etwas sehr normales.
Meine Mutter hat früh begonnen mich zu informieren. Und sie ging auch immer sehr offen mit ihrer Mensis (und anderen Dingen) um. Linksfeministisch offen.

Ich erlebte ihre Mensis immer zwiegespalten: sie wand sich den ersten Tag mit fiesen Krämpfen, nahm Novalgin en masse (das war damals noch freiverkäuflich) und brauchte Mengen von Süßigkeiten. Von denen ich auch etwas abbekam, so dass das Ganze auch einen positiven Touch bekam.
Ich war nicht sonderlich erpicht darauf, aber ich wusste auch, dass es nichts Schlimmes ist.
Und ich dem ganzen eh nicht entgehen konnte.

Und dann kam der Tag.
Ich weiß es auch fast 30 Jahre später noch als ob es eben erst gewesen ist. Manche Dinge bleiben wohl immer in Erinnerung.

Ich war normal auf Toilette und stellte fest, dass meine Unterhose eingesaut war. Schlagartig wusste ich was es war, und es erklärte auch mein kaum merkliches Bauchziehen einige Tage vorher. Ich rief meine Mutter, die sich überschwänglich freute, mich beglückwünschte und das alles supertoll fand.
Sie erklärte mir dann gleich alles was ich praktisch wissen sollte. Wie oft ein Stöpsel zu wechseln sei, und wie lange ungefähr ein Surfbrett „hielt“ und dass ich ja nun dann bald mal zu einem Gynäkologen müsse. Ich war etwas überfordert, ich saß ja auch noch auf dem Klo. Und eigentlich wollte ich nur durchatmen, selber drauf klarkommen.
Aber die Zeit war nicht wirklich da, meine Mutter riet mir gleich zu Tampons, so praktisch und man könne alles damit machen und sei frei und überhaupt sei es weniger eklig. Also sollte ich es am besten gleich ausprobieren, und sie würde mir auch helfen.
Ich probierte es aus. Sie half mir.
Es klappte nicht und irgendwann gaben wir auf.
(Ich mein, hallo, ich war 12 oder 13, hab das erste Mal meine Mensis – und die Mutter versucht erst anzuleiten – und dann selber mit anzufassen. Wie soll das gehen?)
Ich stopfte mir eine Slipeinlage in die Unterhose und war wie in Trance. Mein Vater freute sich glaub ich auch – und er wurde gleich einkaufen geschickt, wir brauchten ja nun Binden für mich.

Ich saß total überfordert und panisch am Küchentisch, meine Mutter freute sich immer noch wie Bolle und fing an ihre „Das Kind kommt nun in den Kreis der Frauen“-Party zu planen. Sie überlegte eifrig wer alles einzuladen sei: Meine Grundschulklassenlehrerin, ihre ganzen Frauen aus dem Frauenkreis, die feministischen Freundinnen, die Frauen der Familie und was weiß ich noch wer alles. Ich war ja nun eine Frau und das musste/sollte gebührend gefeiert werden.
Ich wollte sowas nicht. Ich fand das alles peinlich und auch eklig und ich fand dass es absolut niemanden etwas anging ob und wann und überhaupt. Es war meine Sache und sollte es auch bleiben, und sie hätte damit mal so null zu tun, und auf ihre ganzen Frauen hätte ich auch keine Lust.
Und außerdem hätte ich noch nie von so einem Feier-Brauch gehört, kein Mädchen in der Klasse hätte sowas gemacht.

Ich weiß nicht wie lange sie plante und tat und versuchte mich zu überzeugen, aber irgendwann wurde ihr wohl bewusst, dass es diese Feier nicht geben würde. Mein Vater kam vom Einkaufen wieder und stellte sich auch auf meine Seite. Meine Mutter solle mich in Ruhe lassen damit wenn ich es nicht will.
Ich glaube einige Tage lang kam das Thema immer mal wieder ganz ganz kurz auf, aber es ist nie zu der Feier gekommen.
(Auch zum Gynäkologen hat sie mich jahrelang nicht bekommen. Ich habe mich standhaft geweigert)

Meine Eltern schenkten mir ein Buch zur Feier des Tages (ich glaube sogar mit Widmung, ich bin mir nicht ganz sicher, ich finde das Buch im Moment nicht) – und das war wirklich schön und angemessen. Diese Geste fand ich toll. Und ich finde, ein kleines Geschenk bei der ersten Mensis hebt diesen Moment hervor, überfrachtet ihn jedoch nicht. Und nimmt irgendwie auch den Schrecken.

Von da an blutete ich jeden Monat.
Ich machte brav Vermerke im Kalender wie stark und wie lange.
Ich hatte das Glück dass ich kaum bzw. nur selten Schmerzen hatte, und auch diese angeblich „typischen PMS-Beschwerden“ kaum da waren.
Ich hasste jeden einzelnen blutenden Tag.
Ich ekelte mich vor dem sibschigen schleimigen Zeugs.
Ich fühlte mich immer eklig. Und da halfen auch keine heißen Duschen.
Ich hatte extra Unterwäsche und Schlafanzughosen für diese Tage.
Ich hatte immer Angst, dass der Zyklus mal durcheinander gerät und ich überrascht werde. Unsere Schulsekretärin hatte immer was da für den Notfall.
Ich schämte mich nicht beim Einkaufen Binden zu kaufen. Ich war aber auch nicht stolz.
In der Schule wurde darüber nicht gesprochen. Manchmal halfen sich manche Mädchen untereinander mit Tampons aus, leise und verschämt. Beim Schwimmunterricht saßen manche Mädchen manchmal am Rand und schauten zu. Ich auch. Ich hasste die Vorstellung mit Mensis zu schwimmen, und ohne Stöpsel eh ein NoGo.
Ich fuhr nur dann weg, wenn die Mensis grade vorbei war – woanders zu bluten und evtl. was einzusauen wäre nicht gegangen.
Es war alles so normal.
So normal scheisse.

Ich kam bis zum „Ende meiner Tage“ (was ein Wortspiel *gg*) nicht mit Tampons zurecht. Ich probierte es immer wieder – keine Chance.
Und auch die Alternativen wie Schwämmchen oder Tasse waren für mich indiskutabel.
Ich wollte mit dem ganzen Zeug nichts zu tun haben.

Die letzten Jahre waren schlimm und hatten nichts mehr mit normalen Regelblutungen zu tun:
Unregelmäßige Sturzblutungen die mehrere Tage gingen, Blut das einfach so die Beine runterlief oder munter in die Toilette tropfte. Wo kein Schutz reichte und Handtücher herhalten mussten. Wo tagelang im Sitzen (wenn überhaupt) geschlafen wurde und jedes Husten und Niesen zu einem Blutbad wurde.
„Das hat ne Frau mal“ und „so schlimm ist das doch nicht“ war das einzige, was den Ärzten dazu lapidar einfiel.
Und irgendwann machte der Körper nicht mehr mit und ich landete komplett fertig mit der Welt in der Notaufnahme der Uniklinik wo ich als erstes zwei Blutkonserven bekam mit dem Worten „Ich hab schon Leute mit nem höheren HB verbluten sehen, und da hab ich mal so keinen Bock drauf“.
Und wo plötzlich ein (kompetenterer?) Gyn feststellte dass „da etwas nicht in Ordnung sei“.
Als der Krebs dafür sorgte, dass ich endlich nie nie nie wieder „unten“ bluten würde hab ich mich gefreut. Wirklich vom tiefsten Herzen gefreut.
Es fiel eine Last ab.

Seitdem bin ich frei,