2014

Weil es grad so in Mode ist – gibt’s auch einen von mir: mein kleiner Jahresrückblick – etwas holperig und ungeübt. Aber meiner ^^

Es war ein Jahr

mit vielen Samstagnachmittagen vorm Radio
Fußball hören.
Fast abgestiegene Hamburger, fast aufgestiegene Hamburger, dominierende Bayern. Und der Verlust der goldenen Tippkrone in allen Ligen. Und die erschreckende Platzierung des BVB zum Jahresende.

mit der Fußball WM
Einige interessante Spiele, viel Dusel und eine dummblödsinnige Abschlussfeier in Berlin mit der Sirene und dem Gauchogate. „Wir“ sind Weltmeister. Wer ist eigentlich wir?

mit viel WOW
Wie seit Jahren. Viel gespielt. Alles erreicht, besondere Mounts bekommen. Aber auch erschreckende Abgründe bei Mitspielern gesehen. Raffgier, Missgunst, Rassismus, Misogynie.
Werde mir im nächsten Jahr einen Twinkraid nur mit Frauen suchen. Hoffe so etwas gibt es…

mit einem Besuch im Haus der Eltern
Ich hab es im renovierten Zustand das erste Mal gesehen und finde es wunderbar urig und gemütlich. Meine Eltern betonen immer wieder, dass es mal mir gehören wird. *hust*

mit dem Entdecken von Twitter
Das Facebook von heute. Schlagzeilen, Katzenbilder, gifs. Und Machtspielchen. Wer die meisten Likes hat hat die Wahrheit gepachtet. Es gibt nur zwei konträre Seiten auf 140 Zeichen.
Aber auch interessante Hashtags, die Mut gemacht haben.
Interessante Menschen, deren Blogs ich via Twitter gerne entdeckt habe und die meine Gedanken in Wallung gebracht haben und bringen.

mit Abhörungen und Indiskretionen
Bekanntwerden von dreisten Abhörungen und Spionage. Selbst in höchsten Regierungskreisen. Und mittlerweile scheint es kaum noch jemanden aufzuregen wenn abgehört wird. Auf echtem Papier getipptes wird wieder „in“. Und am Telefon verabredet man sich.
Die USA sind „gestorben“ dabei wollte ich immer mal nach NY und auch mit dem Wohnmobil durchs Land fahren. Aber ne, ich verzichte, da gibt’s keinen Cent von mir

mit Gamergate
Erschreckende Auswüchse, die bis zu Bekannten vorgedrungen sind. Aber diese Abgründe haben mich nicht wirklich erstaunt. Ich bin nun noch vorsichtiger als ich eh schon bin mit dem was ich von mir im Netz stehen habe.

mit Rechten Idioten
Pegida, afd, hogesa, [irgendwas]gida. Dreiste Rechte sammeln sich und ziehen vernebelte eingelullte Kleingeister hinter sich her. Mit dummen Parolen werden Ängste geschürt und Menschen angelockt, die es nicht anderes wissen und nicht anders können. Ich weiss nicht, wer gefährlicher ist: die Manipulierten oder die Manipulierer. Es ist erschreckend. Erschreckend aber auch: die fehlende Mitte. Faszinierend wie kleingeistig manche Menschen in der direkten Umgebung sind.

mit der fehlenden Mitte
Extreme die aufeinander prallen. Zwei Seiten die von sich behaupten die bessere zu sein. „Bist du nicht auf meiner Seite bist Du automatisch auf der anderen, Bist Du nicht für mich bist Du gegen mich“ Ein Dialog findet nicht statt. Er ist auch nicht gewollt. Auf einmal ist man nicht frau genug, schwarz genug, lesbisch genug, schwul genug, behindert genug, xyz genug um etwas sagen zu dürfen. Mensch zu sein reicht nicht mehr.

in der Kontinuität des Gesterns
Die Jahre, Monate, Tage gleichen sich. Sind sich ähnlich, haben wenig Varianz. Es plätschert wie eh und je.

Und es war ein Jahr voller Dinge die ich tun wollte und nicht getan habe. Weil ein Tag doch zu wenig Stunden hat. Und weil die Zeit viel zu schnell vergeht.

Und was kommt ab morgen?
Genau dasselbe wie bisher.
Weil morgen nur ein Tag nach Heute ist.

Weihnachten

Damals, als ich klein war gab es Weihnachten auch für mich.
Mit Weihnachtsbaum, den Großeltern, Bescherung.
Jedenfalls erzählt das meine Mutter.
Fakt ist: ich kann mich an kein Weihnachtsfest erinnern, auch nicht wenn ich Fotos sehe.
Irgendwann, ich war noch in der Grundschule, wurde „Weihnachten abgeschafft“.
Bei uns.
Kein Baum, keine Bescherung, keine Großeltern. Weil meine Mutter fand, dass es ein Fest des Friedens, des Miteinanders nicht geben kann, solange es Krieg gibt, solange an Weihnachten Kinder und Frauen verprügelt werden.
Geschenke gab es von da an an Silvester. Nach dem Feuerwerk und dem Sektanstoßen, sozusagen als Eröffnung des Neuen Jahres. In einem Wäschekorb gesammelt, mit Namensschildchen – und jedes Jahr verteilte wer anders die Geschenke.
Ich fand das nicht schlimm, eher cool. Ich kann mich nicht erinnern Weihnachten jemals vermisst zu haben.
Als ich älter wurde wurde Weihnachten zu einem Familienabend mit Skatspielen und Radio hören. Grüße von Bord. Jedes Jahr. Und danach Hannes Wader, Degenhardt und co.
Und es gab Bescherung für die Arbeitskollegen meines Vaters, die an Heiligabend arbeiten mussten. Schon das Geschenktütenpacken war großartig, und die Einkäufe bei der metro exorbitant; die Tüten verteilte mein Vater, das ein oder andere Jahr sind wir auch an Heiligabend mit dem Auto quer durch Norddeutschland gefahren. Einmal haben wir dem Fährmann auf der NordostseekanalFähre einen Weihnachtsmann geschenkt. Der hat fast geweint schien es mir…

Weihnachtserinnerungen sind für mich also losgelöst von Fressen, Saufen und Kommerz. Eher familiär, eine Mischung aus Alltag und „mal was anderes“, aber nie wirklich etwas Besonderes. Heute ist Weihnachten halt Weihnachten. Freie Tage. Und lecker Weihnachtssüßkram. Ich mag Stollen und Lebkuchen. Aber sonst nichts. Ich kann mit dem ganzen Weihnachtsgedöns auch nichts anfangen.

Mich nervt der ganze Kommerz, der ganze Rummel. Wie auf einmal gekauft wird, wie im Wahn. ICH.MUSS.SCHENKEN.WEIHNACHTEN.IST.MORGEN.HOPPLA.HIER.KOMME.ICH.
Weihnachten kommt jedes Jahr total überraschend, und plötzlich fällt ein, dass man ja was schenken muss. Und weil man sonst im Jahr kaum an den anderen denkt wird’s ein Geschenk mehr, oder auch zwei. Egaaaal. Also werden schnaufend Tüten und Pakete geschleppt, eine größer als die andere. Und dann der Stress mit dem Essen und dem Besuch und den Feiertagen und hat man alles und wird’s schmecken und und und und. Und im Hintergrund immer und immer wieder Last Christmas und all die anderen ausgenudelten sogenannten Weihnachtslieder.
Wer kennt eigentlich noch Weihnachtslieder? Ich meine, so richtige alte Weihnachtslieder? Die in der Kirche gesungen wunderbar sein können, die einen tragen und einen in der zarten Mehrstimmigkeit der Akustik alles vergessen lassen können?

Weihnachtstage sind ruhige Tage, auffallend still.
Im Netz ist weniger los. Und draußen auch.
Und eigentlich mag ich Weihnachten.
Genau deswegen.
Und nur deswegen.