Weihnachten

Damals, als ich klein war gab es Weihnachten auch für mich.
Mit Weihnachtsbaum, den Großeltern, Bescherung.
Jedenfalls erzählt das meine Mutter.
Fakt ist: ich kann mich an kein Weihnachtsfest erinnern, auch nicht wenn ich Fotos sehe.
Irgendwann, ich war noch in der Grundschule, wurde „Weihnachten abgeschafft“.
Bei uns.
Kein Baum, keine Bescherung, keine Großeltern. Weil meine Mutter fand, dass es ein Fest des Friedens, des Miteinanders nicht geben kann, solange es Krieg gibt, solange an Weihnachten Kinder und Frauen verprügelt werden.
Geschenke gab es von da an an Silvester. Nach dem Feuerwerk und dem Sektanstoßen, sozusagen als Eröffnung des Neuen Jahres. In einem Wäschekorb gesammelt, mit Namensschildchen – und jedes Jahr verteilte wer anders die Geschenke.
Ich fand das nicht schlimm, eher cool. Ich kann mich nicht erinnern Weihnachten jemals vermisst zu haben.
Als ich älter wurde wurde Weihnachten zu einem Familienabend mit Skatspielen und Radio hören. Grüße von Bord. Jedes Jahr. Und danach Hannes Wader, Degenhardt und co.
Und es gab Bescherung für die Arbeitskollegen meines Vaters, die an Heiligabend arbeiten mussten. Schon das Geschenktütenpacken war großartig, und die Einkäufe bei der metro exorbitant; die Tüten verteilte mein Vater, das ein oder andere Jahr sind wir auch an Heiligabend mit dem Auto quer durch Norddeutschland gefahren. Einmal haben wir dem Fährmann auf der NordostseekanalFähre einen Weihnachtsmann geschenkt. Der hat fast geweint schien es mir…

Weihnachtserinnerungen sind für mich also losgelöst von Fressen, Saufen und Kommerz. Eher familiär, eine Mischung aus Alltag und „mal was anderes“, aber nie wirklich etwas Besonderes. Heute ist Weihnachten halt Weihnachten. Freie Tage. Und lecker Weihnachtssüßkram. Ich mag Stollen und Lebkuchen. Aber sonst nichts. Ich kann mit dem ganzen Weihnachtsgedöns auch nichts anfangen.

Mich nervt der ganze Kommerz, der ganze Rummel. Wie auf einmal gekauft wird, wie im Wahn. ICH.MUSS.SCHENKEN.WEIHNACHTEN.IST.MORGEN.HOPPLA.HIER.KOMME.ICH.
Weihnachten kommt jedes Jahr total überraschend, und plötzlich fällt ein, dass man ja was schenken muss. Und weil man sonst im Jahr kaum an den anderen denkt wird’s ein Geschenk mehr, oder auch zwei. Egaaaal. Also werden schnaufend Tüten und Pakete geschleppt, eine größer als die andere. Und dann der Stress mit dem Essen und dem Besuch und den Feiertagen und hat man alles und wird’s schmecken und und und und. Und im Hintergrund immer und immer wieder Last Christmas und all die anderen ausgenudelten sogenannten Weihnachtslieder.
Wer kennt eigentlich noch Weihnachtslieder? Ich meine, so richtige alte Weihnachtslieder? Die in der Kirche gesungen wunderbar sein können, die einen tragen und einen in der zarten Mehrstimmigkeit der Akustik alles vergessen lassen können?

Weihnachtstage sind ruhige Tage, auffallend still.
Im Netz ist weniger los. Und draußen auch.
Und eigentlich mag ich Weihnachten.
Genau deswegen.
Und nur deswegen.

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