Grand Prix…

Mein erster bewusst wahrgenommener GP war der mit Guildo Horn.
Ende der 90er. Im Studentenwohnheim.
Große Feier, viel Bier, viel Gegröle, Wetten.
Sehr befremdlich alles. Sehr surreal alles.
Mittelprächtige bis schlechte Musik in miesem Ambiente – aber feiern.
Und das war jedes Jahr. Jedes Jahr zum GP feierte praktisch der ganze Flur eine große Party.

Meine GP-Erinnerungen die ich habe, nach Guildo Horns Gehopse, sind rar.
Es war Thema meines Einstellungsgespräches nach dem Abbruch meines Studiums.
Es war der ablenkende Lichtblick in einem viermonatigen Klinikaufenthalt.
Es war die Blaulichtfahrt in die Notaufnahme der Uniklinik

Ich habe immer wieder versucht den GP zu schauen. Vielleicht finde ich ja mal gut was ich da sehe. Vielleicht verstehe ich ja mal den Hype…
Und – nein. Nein, ich verstehe ihn nicht.
Es ist mir ein Rätsel, wie jedes Jahr sogar Fanmeilen voller Menschen entrückt grölen und kreischen und eine tolle große Party feiern. Mit Deutschlandfahnen. Wie bei einer WM.
Menschen, die diese Musik normalerweise nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden.
Menschen, die das alles voll peinlich und schrecklich finden – und da ein Bier drauf trinken und dann wieder grölend in der Masse abtauchen.

Schon die Vorentscheide sind seit Jahren ein Event, als ob es dort um Leben und Tod der Musikszene gehen würde. Als ob der GP der Türöffner und das große Heilsversprechen wäre.
Sry Leute, aber der GP ist sowas von Banane.
Kaum einer erinnert sich an die Sänger und Lieder dort.
Wegen Banalität aus der Erinnerung gelöscht. Wie kann jemand, der ernsthaft Musik betreiben möchte, dort ernsthaft auftreten wollen und sich sogar was davon versprechen?
Was bedeutet denn ein GP-Sieg? Einige Wochen Fame? Einige verkaufte Platten? One-Hit-Wonder, wenn überhaupt? Einmal „der Stolz Deutschlands“ sein zu dürfen? Die, die nach dem GP „etwas“ erreicht haben sind relativ wenige…

Vielleicht war die Entscheidung A.Kümmerts überhaupt zu dem Vorentscheid zu fahren falsch.
Vielleicht war es auch gut dass er hingefahren ist.
Vielleicht hätte er früher die Reißleine ziehen sollen, aus „Fairness“ den anderen Kandidaten und Kandidatinnen gegenüber.
Vielleicht war es aber auch gut so wie es war.
Vielleicht hätte wäre wenn falls ob und überhaupt.
Es ist egal. Er hat sich gegen den Zirkus, den er kurz betreten hat, entschieden.

Vielleicht hätte er Chancen gehabt den GP zu gewinnen.
Vielleicht wäre er komplett untergegangen.
Auf alle Fälle hätten er und die ganze GlitzerParty nicht zusammengepasst. Und das scheint ihm klar geworden zu sein.

Und es ist scheissegal was das Partyvolk davon hält.
Und es ist scheissegal was die Presse davon hält.
Und es ist scheissegal was ich davon halte.
Und es ist scheissegal was Du davon hältst.

Denn ist ganz allein seine Sache.
Seine Entscheidung.
Und wenn er so damit schlafen kann und in den Spiegel schauen kann dann war es gut.
Für ihn.

Und das erste Mal freue ich mich beim Thema GP. Weil da jemand sein Ding durchgezogen hat und drauf geschissen hat was die heile Welt will.

DAS wird etwas sein, was ich nicht vergessen werde und zu den wenigen Erinnerungen „Grand-Prix“ hinzufügen werde.
Mit einem breiten Lächeln.

Danke dafür.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s