#WasAndersWäre (Gastbeitrag)

Ich habe die Fragen des Blogstöckchens #wasanderswäre auch mal an meinen Partner und an Freunde und Bekannte weitergereicht. „Die Fragen sind interessant, aber ich habe kein Blog“ war die erste Reaktion. Was ja kein Problem ist – ich hab ja Platz. Mal sehen wer von denen sich nun „traut“, wo die Ausrede mit „ich hab aber kein Blog“ nicht mehr zieht ^^
T. ist der erste der bisher geantwortet hat, hier sind seine Antworten:

1.Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du eine Frau wärst?
In meinem Leben: das ist unmöglich zu sagen. Es könnte alles anders verlaufen sein oder auch nichts. Damit angefangen daß mich meine Mutter bei der Scheidung vielleicht zugewiesen bekommen hätte und nicht mein Vater. Daraus ergibt sich ein riesiger Rattenschwanz an möglichen Änderungen.
In meinem Alltag: wenn ich von heute auf morgen eine Frau wäre, wäre nicht alles auf einmal anders. Kleinigkeiten: ich würde Binden/Tampons kaufen, meine Klamotten würden mir von der Form her evtl. nicht mehr passen.

2.Was tust du nur deshalb, weil du ein Mann bist?
Mich rasieren.
Den Rest tue ich weil ich ich bin.

3.Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?
Da fällt mir nichts ein. Ich tue so viele Dinge nicht, aber nicht weil ich ein Mann bin.

4.Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?
Der Versorger sein zu müssen.

5.Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Männer zu gehören.
Im Internet nicht blöd angemacht werden.

6.Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?
Fast nicht, weil sich das Gegenüber immer anders verhält – je nach Geschlecht.

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#WasAndersWäre

Ich weiß gar nicht, wie und bei wem ich über das Blogstöckchen „#WasAndersWäre“ gestolpert bin, aber ich fand die Fragen so reizvoll, dass ich mir das Stöckchen geschnappt hab und einfach mitmache ^^
Die UrsprungsIdee kommt hierher: http://ich-mach-mir-die-welt.de/2015/05/blogstoeckchen/
Ich hab noch keine anderen Antworten gelesen und geh das ganze völlig unbeeinflusst und völlig frei an – und freue mich darauf all die anderen Antworten zu lesen.
Und da ich kaum jemanden kenne und nicht wüsste wem wie und wo ich des Stöckchen weitergeben könnte leg ich es einfach wieder dahin, wo ich drüber gestolpert bin ;o)

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?
Ich bin Mitte der 70er in einer spießigen holsteiner Kleinstadt aufgewachsen, in der das eigene Häuschen, das Auto und die Benetton-Klamotten wichtiger waren als alles andere.
Meine Eltern waren politisch aktiv, Grüne der ersten Stunde, Erstabonnenten der Taz und der Emma. Ich bin als kleines Mädchen auf den Schultern meines Vaters auf unzähligen Demos gewesen. Ich bin groß geworden mit dem Wissen dass die Welt scheiße und ungerecht ist, und dass man immer kämpfen muss und sich nichts gefallen lassen darf, und dass erst dann Weihnachten gefeiert werden kann wenn Weltfrieden herrscht.
Und es gab für mich keine geschlechtertypischen Grenzen. Ich hatte einen Fußball, kickte auch gerne, ich spielte mit Autos und mit Puppen, tobte draußen rum und prügelte mich auch mal. Ich durfte keine Barbiepuppe haben, da sie ein schreckliches Frauenbild vermitteln würde. Meine Mutter arbeitete und mein Vater arbeitete und beide schmissen den Haushalt, da gab es keine typische Rollenverteilung. Und für mich war es selbstverständlich später zu arbeiten und für meine Leistung akzeptiert zu werden, es war mir fremd mich zu schminken und aufzuhübschen. Und nur Mutter sein und daheim rumhängen kam mir nie in den Sinn, war nie mein Ziel.
Ich bin nun ziemlich untypisch aufgewachsen und war mir der Machtstrukturen und Unterschiede immer bewusst, vor allem im Vergleich mit meiner Umgebung.

Meine Mutter wäre mit einem Sohn nicht so glücklich gewesen. „Ach je, nen Junge“ „Schade, keine Mädchen“ „neee, ein Junge, ich glaub das wäre komisch gewesen“ „ich glaub ich wüsste auch nicht was ich mit einem Jungen hätte anfangen sollen“. Äußerungen so oder so ähnlich gab es immer wieder. Ich weiß nicht, ob ich als Junge wirklich anders erzogen worden wäre, und ich denke auch, dass meine Mutter genauso gut mit mir klargekommen wäre wäre ich kein Mädchen. Allerdings wäre ich immer auf der Täterseite, bzw immer auf der bevorteilten Seite und würde deswegen wahrscheinlich in vielen Dingen eingeschränkt worden sein, und eventuell hätte ich ein latent schlechtes Gewissen bekommen, weil meine Mutter mich das stets hätte spüren lassen.
Ich weiß nicht ob ich Karate gemacht hätte. Vermutlich nicht.
Ich weiß nicht ob meine Gewichtsprobleme genauso wichtig gewesen wären. Vermutlich nicht.
Ich weiß nicht ob ich in Mathe hätte schlecht sein dürfen. Als Mädchen durfte ich das nicht, weil ein Mädchen alles können muss und sich ja nicht einreden lassen soll es könne etwas nicht.
Ich weiß nicht ob ich dieselben Sicherheits/Verhaltensregeln eingebläut bekommen hätte. Vermutlich nicht.
Ich weiß nicht ob meine Mitschüler auch darum gewettet hätten mich ins Bett zu bekommen wäre ich ein Junge gewesen. Vermutlich nicht.
Ich weiß nicht ob ich genauso aus dem Job gemobbt worden wäre wäre ich ein Mann gewesen. Vermutlich nicht. Einem Mann hätte man nicht gesagt man würde ihm den technischen Teil nicht zutrauen.
Was wäre also anders heute.
Ich würde sicherlich sicherer durch die Gegend gehen, würde nicht Fluchtwege im Vornherein abchecken und hätte wahrscheinlich nen Job. Ich müsste nicht bei allem einplanen irgendwo eine Toilette auf dem Weg zu haben, weil ich ja notfalls hinter einen Baum gehen könnte. Ich hätte keine monatlichen Verblutungsarien gehabt und würde problemloser Klamotten in meiner Größe bekommen.
Ich würde mich respektierter fühlen, und man würde mir mehr zutrauen und nicht mit „Tittenbonus“ kommen oder mit schlechten Witzen. Es wäre selbstverständlich dass ich gerne Computerspiele spiele und ich hätte natürlich alle Rechte und könnte kommentarlos alles machen.
Und ich hätte vielleicht meinen Kindheitstraum verwirklichen können und hätte Lokführerin werden können, damals war es für Frauen so gut wie unmöglich: Kein Klo, keine Umkleiden, keine technische Ausbildung (die Voraussetzung war). Ich fand das immer blöd, mittlerweile sieht das auch alles etwas anders aus als in den 80ern.
Und als Mann hätte ich auch eine andere Einstellung zum Sex. Ich könnte problemlos in einen Puff gehen. Und ich wäre irgendwie immer der stärkere, mächtigere Part, der der gibt. Und nicht die, die empfängt und aufnimmt. Als Jugendliche dachte ich oft, als Junge wäre Sex einfacher und Selbstbefriedigung auch, überhaupt wäre es schöner und einfacher zu handhaben. Vermutlich liege ich da falsch, aber in meiner Vorstellung war alles viel einfacher und schöner und überhaupt.
Das Gras auf der anderen Seite und so…

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?
Ich kannte in meiner Nachbarschaft alle Fluchtwege, alle Seitenstraßen. Und ich hatte immer den Schlüsselbund in der Hand, ein Schlüssel zwischen den Fingern.
Wenn ich allein in Bus und Bahn unterwegs war hab ich mich immer in die Nähe des Fahrers gesetzt, immer in den vorderen Zugteil.
Manchmal, wenn ich mit Unbekannten spiele oder für mich unbekannte virtuelle Welten erkunde, gehe ich Geschlechterfragen aus dem Weg oder gebe mich als Mann. Einfach damit Ruhe herrscht und ich „frei“ sein kann. Und ich stehe nicht wirklich auf Anmache.

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?
Ich unterlasse nichts (bewusst!!!) weil ich eine Frau bin. Ich mache was mir gefällt und was ich verantworten kann.
Ich fluche „undamenhaft“, ich zocke, ich schaue Pornos. Ich mag Fußball, ich trinke ab und an ein Bier. Ich mag Dmax schauen. Vermutlich würde ich dasselbe als Mann genauso tun ;o)

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?
Mh… Mir hat nie jemand etwas direkt aus der Hand genommen mit den Worten „eine Frau kann das nicht“.
Klar werden einem öfters Klischees unter die Nase gehalten „Tittenbonus“ „Blondine“ „Frauen können das nicht“ – aber niemand hat mir mit solchen Sprüchen versucht Sachen zu verbieten, oder mich anders zu beeinflussen. Ich würde es auch nicht zulassen.
Auf der Arbeit war es anders, da hielt der Chef nichts von mir, ich sei dem ganzen technischen Kram nicht gewachsen (ich hatte sogar die Anleitungen für die Anwendungen geschrieben *hust*für Kollegen die mit dem Einfingersuchsystem getippt haben), und irgendwie war ich auch nicht ladylike genug. Man nahm mich nicht für voll, und ich vermute stark dass ich als Mann da keine Probleme gehabt hätte – oder mit dem gewissen Schick und Schminke und einem abendlichen Getränk beim Pseudooktoberfest Pluspunkte hätte sammeln können. Jeans und Hemd/Tshirt/Pullover ist für einen Mann ok – für eine Frau wohl nicht.
Und in der virtuellen Welt hab habe ich oft feststellen müssen dass meine Meinung, meine Ideen und Vorschläge viel weniger Wert sind als die meiner männlichen Mitstreiter. Einer Frau zuzuhören ist für einige fast unmöglich. Sich evtl. sogar kritisieren lassen – das artet dann durchaus auch aus. Von einer Frau lassen sich manche nichts sagen.
Was mir extrem auf die Nerven geht, und mich auch beeinträchtigt, ist das Gefühl „Freiwild“ zu sein. Sobald ich mich als Frau zu erkennen gebe kann ich mir sicher sein mindestens eine private Nachricht zu bekommen wie nett ich sei oder ob ich single sei oder was eine so nette Frau allein im Spiel machen würde. Oder es geht direkter mit der Frage nach Cybersex (gab es sehr selten, aber gab es). Tauche ich dann noch im Voicechat auf ticken einige komplett aus. Ich hatte diverse Anfragen ob ich zu Telefonsex bereit sei, ob ich nicht anrufen wolle und was vorlesen wolle, meine Stimme sei so antörnend. Selbst Männer, mit denen ich seit Jahren zusammen spiele kommen irgendwann mal um die Ecke mit der Frage ob mein Mann schlafen würde, und dass sie nun Zeit für ein Gespräch hätten. Und dass ich bestimmt sehr sexy sei, also die Stimme würde sie ja schon wuschig machen. Dann kommen detailliertere Vorstellungen wie ich wohl aussehen würde und und und und.
Zum Glück gibt es genug die nicht so ticken, und ich versuche den aufdringlichen Idioten aus dem Weg zu gehen und sie zu ignorieren.

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.
Um mein Studium zu finanzieren habe ich als Kassiererin gearbeitet, und zu dem Job gehörte auch das Aus- und Umpacken der Ware. Leergut sortieren, volle Getränkekisten umstapeln oder schwere Konserven auspacken war zum Glück den männlichen Mitarbeitern vorbehalten. Und ich vermute als Student hätte ich den Job an der Kasse gar nicht erst bekommen.
Und bei Fussballauswärtsfahrten als „alleinreisende junge Frau“ gab es immer jemanden der auf mich aufpasste, ich musste mir da nie Sorgen machen und Angst haben. Um einen Mann hätte sich niemand einen Kopf gemacht.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?
Ich kenne solche Situationen nur aus Videospielen, wo die Kontaktzeit nur sehr kurz und nur ein rudimentärer Chat vorhanden ist. Da fragt niemand. Es spielt auch keine Rolle bei einigen Schnetzelrunden in Diablo ob die anderen in der Gruppe m oder w sind. Oder beides. Oder nichts davon. Ich hab nie darüber nachgedacht mit wem ich da spiele.
Oder gegen wen bei anderen Spielen.
Und „draußen“. Keine Ahnung ob es solche Situationen gibt. Ich würde gerne ganz viele Sachen aufzählen, aber mir fällt nichts ein.