Klassentreffen

Mein Abitur jährt sich im Sommer zum 20. Mal.
Und es möchte jemand ein Revival organisieren und bastelt nun einen Verteiler. Dafür bittet er darum, die angefügte Adressliste zu aktualisieren.
Seit zwischen den Jahren trudeln bei mir alle 1-2 Tage Mails rein, die auch schon unbeabsichtigt im Spamordner gelandet sind.

Da der Jahrgang damals schon kein Abi-T-Shirt organisiert bekommen hat, der Streich auch nur so lala war, und soweit ich weiß auch kein 10-jähriges stattgefunden hat – bin ich ja eher skeptisch und leicht belustigt. Obwohl, angeblich gab es ja das ein oder andere Revival, aber nichts Offizielles – und dass die „Daheimgebliebenen“ ab und an einen saufen gehen ist ja irgendwie naheliegend. Aber eben halt „die Elite“ „der ausgewählte Kreis“ etc. Die haben sich vielleicht auch ein T-Shirt gemacht, wer weiß wer weiß.

ICH WILL NICHT ZU EINEM VERDAMMTEN KLASSENTREFFEN.
Ich will nicht an diesen Ort.
Ich will nicht auf eventuelle Leerkörper treffen.
ICH WILL KEINE TÄGLICHEN ERINNERUNGEN AN DIE SCHULE.

Meine Schulzeit und fast alle Erinnerungen daran sind der pure Horror. Ok, da kann mein Abiturjahrgang nicht so viel dafür, ich bin erst in der Oberstufe dazu gestoßen nachdem ich wiederholt habe. Die zwei Jahre mit denen zusammen haben nicht wirklich Kontakte entstehen lassen an denen ich interessiert war und bin.

Allein der Gedanke daran die Leute zu treffen die direkt mit der Schule verbunden sind, diese Schule eventuell zu sehen, sie zu riechen macht mich fertig.
Da war kein Spaß, keine tolle spaßige fröhliche Schulzeit.

Da war tagtägliche Angst.
Vor Ausgrenzung, geklauten Schulsachen, „ins Messer laufen“ lassen, demontieren, auslachen, Haare abschneiden oder mit Kaugummi verkleben, Attacken im Sportunterricht etc.
Da war die alltägliche Angst wieder vor den Lehrpersonen zu stehen und kein Wort herauszubekommen. Die Angst vor deren Herabwürdigungen und Kleingemachtwerden. Dem Nichtgenügen.
Egal was ich getan habe – und ich habe viel getan – reichte nicht. Weder für ein anständiges Wort noch für kurzzeitige Akzeptanz.
Ich habe gelernt zu lächeln.
Das war damals nicht ich.

Da sind die Erinnerungen an Einsamkeit, Schmerz, an Bloßgestellt werden, an Versager-Sein.
An Lehrmenschen, die trotz Bitten nicht geholfen haben.
Oder die durch ihre Handlungen alles schlimmer gemacht und teilweise forciert haben.

Es sind die Alpträume.
Die ständigen Trigger.

Ich kann bis heute Schulgeruch nicht ertragen.
Ich kann niemanden hinter mir stehen haben.
Ich traue niemandem.
Ich kann in meinem Heimatort nicht aus dem Auto aussteigen und bekomme alleine bei der Durchfahrt Panikattacken.

Und das alles kommt mit jeder verdammten Email gerade immer wieder hoch.
Und das Jahr fängt schon mal NICHT GUT an.

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2 Gedanken zu “Klassentreffen

  1. Du bekommst Emails von denen, also bist Du in einem Verteiler. Normalerweise genügt eine Antwort mit dem Wort „unsubscribe“ im Titel sowie mindestens mit diesem Wort im Text, um Dich aus dem Verteiler abzumelden. Hast Du das bei denen schon probiert?

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