Fernsehen

Heute ist StarWars Day, und überall ist zu lesen, wann und wo und wie toll die erste Begegnung mit einem Starwarsfilm war: als Kinder geschaut oder von den Eltern „in die Macht eingeweiht“ oder was weiß ich.

Und ich?
Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen.
Es gab keinen daheim. Es gab Radio, Bücher, Spiele. Aber keinen Fernseher. DEN gab es zu EM/WM/Olympia – ausgeliehen beim örtlichen Elektronikgeschäft. Und ganz ganz manchmal auch so übers Wochenende. Anfangs in schwarzweiß.
„Bist Du in einer Sekte?“
„Gehörst Du zu einer anderen Religion?“
„Seid Ihr Ökospinner?“ – das waren alltägliche Fragen für mich, wenn ich sagen musste „nein, kenne ich nicht, wir haben keinen Fernseher“.
Wir waren weder in einer Sekte, noch religiös (ich bin nicht mal getauft). Ok, meine Eltern waren solche „linken Spinner, Ökos“. Aber auch das war nicht der Grund für die fernsehlose Zeit.
Meine Mutter erzählte, als ich klein war und draußen vor der Tür spielte mit all den anderen Kindern gingen um kurz vor sechs abends die Fenster auf und die Mütter riefen ihre Kinder rein zur Sesamstraße. Meine Mutter fand das so furchtbar, dass die Kinder aus dem schönsten und fröhlichsten Spiel gerissen wurden nur damit ferngesehen werden konnte, dass sie beschloss den Fernseher „abzuschaffen“.
Wir haben viel Radio gehört und gelesen und gespielt. Viel Zeit miteinander verbracht.
Manchmal bin ich zu IKEA geradelt, IKEA war bei uns im Ort damals, und habe dort Asterix geschaut. Immer und immer wieder.
Wir waren mit der Grundschulklasse mal bei einer Aufzeichnung von 1 2 oder 3. ICH kannte die Sendung nicht, alle anderen schon, die waren total begeistert.
Ein wenig „Alienfeeling“

Die 80er sind fernseh(film)technisch komplett an mir vorbeigegangen. Ich kenne weder die Muppets noch die Sesamstraße. Ok, natürlich kenne ich sie, natürlich habe auch ich mal was davon gesehen. Aber ich kann nicht mal benennen wer da wer ist. Ebenso bei der Sendung mit der Maus und Löwenzahn/Pusteblume.
Als MTV auch in Deutschland zu sehen war und alle über die neuesten Musikvideos sprachen konnte ich nur mit den Achseln zucken.
Ende der 80er hatten meine Eltern dann einen Fernseher. Aufgrund des Schichtdienstes meines Vaters hatten meine Eltern getrennte Schlafzimmer, und das Zimmer meiner Mutter war sozusagen auch das Wohnzimmer, und da stand der Fernseher. Viel geschaut haben wir nicht. Mich reizte es kaum. Und die ganzen Filme, die damals kamen durfte ich nicht schauen. So eine MännlichkeitsHeroischeFrauenfeindlicheDummscheisse war tabu. Als mein Vater sich einen gebrauchten alten Fernseher für sein Schlafzimmer kaufte (30 Mark bei der AnnoncenAvis) konnte ich sehr selten mal etwas von dem Verbotenen erhaschen. Meine Mutter motzte die ganze Zeit rum, dass so eine Scheiße geschaut wird und dass es einen verderben würde und wie man so etwas nur gut finden könnte. Mein Vater ließ es an sich abprallen, und manchmal konnte ich halt mitschauen, meist war eh schon Familienkrieg. So hab ich den „weißen Hai“ gesehen und den ein oder anderen BudSpencerTerenceHill-Film.
Die WM 1990 haben mein Vater und ich auch auf dem alten Schwarzweiß-Kasten gesehen, der alle paar Minuten einen kräftigen Schlag auf die Seite brauchte, damit der Ton wieder kam.
Mit meiner Mutter wurde Anfang der 90er jedes Wochenende kuschelnd „mtv european top 20“ geschaut, das war schon irgendwie was Besonderes.

Bis heute haben Film und Fernsehen keine große Bedeutung für mich. Ich habe als Jugendliche ein oder zwei Sommer die Sommerkinoaktion mitgemacht und einige aktuelle Filme geschaut, aber Cineastin bin ich nicht geworden.
Als Studentin hab ich mir umgehend einen kleinen Fernseher gekauft, und ich habe einiges „nachgeholt“. Dabei gab es auch den ein oder anderen Film der mich faszinierte, meistens auf Arte oder Bayern3. Ich entdeckte die Filme Kieslowskys für mich und auch heute noch schaue ich sie, wenn ich mal mitbekomme dass sie im Fernsehen kommen.
Die meisten Hollywoodfilme erreichen mich nicht. Also sie sprechen mich nicht an. Sie sind teilweise ganz nett oder ok, oder auch mal cool – aber ich verfalle nicht in Jubelstürme.
Ich gehe auch nicht gerne ins Kino, mir ist das alles zu viel: zu laut zu unfrei zu überbordend zu viele Leute um mich rum.
Was nicht heißt dass ich nicht den ein oder anderen Film im Kino gesehen hab^^
Zoomania vor 4 Wochen war schon schick – ich war nach vielen Jahren mal wieder im Kino.

Und StarWars?
Ja gut. Diese Filme gibt es.
Und ich muss zugeben, sie hauen mich nicht vom Hocker.
Ich habe Krieg der Sterne 1986/87 in der Schule gesehen, im Englischunterricht (auf Deutsch), als der Lehrer keine Lust auf unterrichten hatte bzw. mal wieder anders beschäftigt war und uns ruhig stellen wollte, was meine Mutter sehr erzürnte (sie hielt diese Filme für männerheroisierende Kackscheisse, welche nicht geschaut werden durfte). Die meisten kannten den Film, eigentlich alle, und waren begeistert. Ich habe mich gelangweilt, ich fand den furchtbar. Ich verstand nicht, was daran so toll war. Das einzig coole war das Ende, der explodierende Todesstern. Das war spannend, das hat mich beeindruckt. Aber der Film an sich – ne, den musste ich nicht haben.

2001 lernte ich meinen heutigen Mann kennen, und der brachte mir irgendwann Episode1 mit, ich weiß nicht mehr wann. Und jaaa, ok, Episode1 gefällt mir. Gefällt mir sehr. Das Podrace, die Musik – der Film ist schon sehr cool. Rückwirkend habe ich auch nochmal die anderen Teile gesehen, bzw. da mal reingeschaut. Sie hauen mich immer noch nicht vom Hocker, sie bedeuten mir nichts, und ich hab sie nicht mal aufmerksam zu Ende gesehen weil ich sie unansprechend und langweilig fand.
Aber Episode1 – joaaaa, den hab ich wohl mehrfach mittlerweile gesehen ^^

Der ganze StarWars Hype ist an mir vorbeigegangen. Komplett. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn meine Eltern mich an einem gemütlichen Fernsehabend in diese Welt eingeführt und mich angesteckt hätten.

Aber:
Ich mag Lichtschwerter, Droids, die Kantine, Podraces.
Ich habe auch die Computerspiele gerne gespielt.

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Ein Gedanke zu “Fernsehen

  1. Ein interessanter Beitrag ist das, weil meine Ex auch ohne Fernseher aufwuchs und ich mit, und trotzdem meistens was besseres zu tun hatte, als häufig zu „glotzen“.

    Irgendwann habe ich alle 3 Filme der chronologisch ersten „Star Wars“-Serie im TV gesehen. Lang ist es her, und ich fand sie nicht interessant genug, um mir die neueren „Episoden“ anzusehen. „Langweilig“, so wie Du es formuliert hast, trifft meinen Eindruck davon ganz gut.

    Gefällt 1 Person

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