Moin

Diesen kleinen Text über unser Moin möchte ich dem Aleksander Knauerhase widmen, der gerade einige Wochen im Norden verbrachte und ein wenig „vermoint“ wurde – und natürlich auch allen anderen Südlichtern, die sich an unserem Moin erfreuen.
Als ich diesen Text schrieb habe ich laut mit mir selber gesprochen, mich begrüßt und mir zugenickt. Und ich grinse immer noch.
Und ja, es ist alles in Ordnung mit mir.

Ihr Südlichter seid amüsiert von unserem Moin.
Ihr lächelt und benutzt es fleißig wenn Ihr hier seid, immer.
Weil moin sagen tun wir hier im Norden zu jeder Tages und Nachtzeit.
Denkt Ihr.
Stimmt auch eigentlich.

Aber!
Was Ihr nicht wisst – und daran erkennen wir Euch sofort – ist, dass wir diesem kleinen Moin eine Geschichte mitgeben. Herz, Seele.
Und jeder andere Einheimische wird dieses Moin sofort verstehen und „richtig“ antworten.

Moin ist nicht gleich Moin.
Es gibt lange Moins in diversen Tonhöhen und Melodien. Als Erstbegrüßung und als Antwort.
Und es gibt kürzere Moins, aber die sind eher unüblich und wenn dann eher Fremden gewidmet, oder offizielleren Gesprächen.
Wir Norddeutschen haben eine gewisse Grundruhe, eine gewisse Gemütlichkeit. Da passt ein kurzes knappes Moin nicht.
Entsprechend ruhig und bedächtig ist unser Moin.

Mit unserem normalen, langen Moin fragen wir unser Gegenüber immer wie es ihm geht, ob alles ok ist. Und wir teilen gleichzeitig mit wie es bei uns ausschaut. Oft mit einer kleinen Handbewegung: Daumen, Zeige- und Mittelfinger grüßen fast unauffällig mit, dazu kommt die passende Kopfbewegung, bei der Begrüßung meistens ein kleines Nicken von unten nach oben.

Wir antworten auf ein Moin ebenfalls mit einem Moin, ja, wer hätte es gedacht.
Oft verbunden mit einem „jo“. Also „jo, Moin“, meistens ebenfalls mit dieser kleinen typischen Handbewegung und der passenden Kopfbewegung.
Wiegen wir z.B. leicht den Kopf dabei ist es bei uns eher so lala, durchwachsen, mittelprächtig. Nicken wir auch von unten nach oben grüßen wir freudig zurück und meistens geht es uns auch ok bis gut.
Schauen wir beim Moin weg sind wir genervt oder ablehnend oder uns geht es eher nicht so gut und wir wollen auch nicht wirklich Kontakt.

Es gibt viele Feinheiten, die schwer zu erklären und für Fremde schwer zu lesen sind.

Dazu kommt immer: wer fragt wen, wie ist das Verhältnis zueinander.
Kennen wir unser Gegenüber schon ewig ist das Moin viel komplexer als wenn wir irgendwo an der Kasse stehen und die Kassenkraft begrüßen. Aber selbst da steckt in dem Moin ein klein wenig „Persönlichkeit“.
Weil eigentlich sind wir Norddeutschen ja eher gemütlich und ortsgebunden, und selbst Mitarbeiter in der Bank oder an der Kasse „kennen“ wir.

Es gibt durchaus „Gespräche“, die in etwa wie folgt ablaufen:
„Moooin“
„Jo, moin“
„naaa?
„jo“
[Dann evtl. kurz knapp ein Thema]
„Na denn, tschüß ne“
„jo, tschüß“

Wenn jemand Moinmoin sagt kommt als Antwort selten ein Moinmoin.
Zwei Moinmoins treffen eher nicht aufeinander.
Auch etwas, was typisch für Touristen ist.

Ja, so ein „Moin“ ist schon komplex, das hättet Ihr uns kühlen Norddeutschen nicht zugetraut, hm?

Aber falls es Euch tröstet:
Wenn Ihr lange genug hier seid werdet ihr die Moins immer besser lesen können und ehe Ihr es merkt wird Euer Moin ebenfalls mehr sein als nur ein Wort.

Und wir nehmen es Euch nicht krumm wenn Ihr Euch da evtl. schwer tut oder Euer Moin inflationär überall rumkrakeelt.

Uns bringt so schnell nichts aus der Ruhe, und unser Schmunzeln ist nicht böse gemeint.

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