Dilemma? Neeeee!

„Wie, Du hast keinen??“
„Es wird Dir gefallen“
„Du wirst sehen, die Dinger sind superpraktisch“
„Ich habe meinen seit langem, sogar am Strand hat er gute Dienste geleistet“
„Nachts lesen ohne den Partner zu stören ist super“
„Du wirst ihn nicht hergeben wollen“

Der Großteil meines Bekanntenkreises war begeistert von der Idee dass ich mir einen Ebookreader zulegen wollte, und (fast) alle besitzen seit langem so ein Teil.

Schneller als gedacht kam er an, klein fein verpackt, und als ich ihn auspackte war da eine kribbelige Vorfreude. Endlich kann ich wieder lesen nachts.
Gleich den ersten Abend habe ich ein (kostenloses) Werk genossen und verschlungen, ich bin immer noch begeistert dass Henrik Ibsens Werke kostenlos verfügbar sind.

Einziger Wehmutstropfen ist und bleibt die Sache mit der Datenabfrage über Leseverhalten und Co. Mich interessiert nicht welche Stellen andere Leute markieren. Und ich will auch nicht dass irgendwo statistisch mit meinem Namen mein persönliches Leseverhalten abgelegt ist. Es gibt Dinge die sollten einfach nicht erfasst werden.

Nachdem ich über das Problem nochmal eine Nacht geschlafen hatte und sehr unsicher war ob ich das gute Stück nicht doch wieder zurückschicken soll kam mein Mann mit der Idee um die Ecke, dass der Reader doch auf seinen Namen und Account laufen könnte. Ihm sei egal ob da irgendwelche Statistiken angelegt/verfälscht oder sonst was werden.
Darauf konnte ich mich mit einem leichten Magengrummeln einlassen, und nun ist mein ganzes Leseverhalten und all das in seinem Account.
Und ich muss schmunzeln wenn ich daran denke wie es nun das Bild von ihm noch mehr verfälscht und er nun noch weniger in Schubladen passt.

Mittlerweile habe ich schon zwei ganze Bücher „gefressen“ und bin am dritten dran.
Die Leseliste http://buntgestreifthuepfig.de/leseliste-2015/ von @NeleTeg_ war eine gute Anregung für die ersten Bücher.

Es ist schön wieder lesen zu können wann und wo ich will.
Ich gehe sogar früher ins Bett weil ich noch lesen möchte.
Es ist einfach nur toll toll toll toll.
Warum zur Hölle hatte ich nicht schon früher so ein Teil…

Mal sehen welche Bücher dieses Jahr noch verschlungen werden.
Ich habe das Gefühl, ich entdecke gerade eine alte fast verloren geglaubte Welt wieder.

Ach so, noch was:
Ja, das Licht stört nicht
Ja, das Ding ist leicht, handlich und problemlos auch über einen längeren Zeitraum mit nur einer Hand zu halten.
Ja, ich glaube ich möchte das Teil nicht mehr hergeben

Dilemma

Ich habe es getan.
Obwohl ich es niemals tun wollte.
Obwohl ich es anderen immer vehement und sehr beherzt ausreden wollte.
Obwohl es Sünde ist. Frevel.

Ich habe mir einen Ebookreader bestellt.

„Waaaaas, wie kannst Du nur“
„das ist doch kein Lesen damit“
„Ein Buch muss man spüren und riechen, das gehört dazu“
„die Haptik, die Optik – son Reader ist doch kalt“
„ein Buch braucht Seiten. Aus Papier“
„Deine ganzen Daten, Dein Leseverhalten kann abgerufen werden“

Ein Buch muss ein Buch sein, mit Seiten, die sich nach Papier anfühlen, nach Buch riechen.
Jedes Buch muss anders sein, unterschiedlich schwer.
Ich liebe Bücher. Den Geruch beim ersten Aufschlagen, das Auspacken vorher schon.
Ich streiche immer gerne sanft und fast ehrfürchtig über die ersten „jungfräulichen“ Seiten.
Es ist Genuss pur.
Die Sinne sind geschärft, das Riechen, das Fühlen Sehen und Hören.
Und dann das Eintauchen in die Geschichte, die Worte, dabei die Schwere des Buches fühlen.

Warum kauft sie sich dann einen Ebookreader wenn sie Bücher doch so sehr mag, spinnt die denn, ist sie nun ganz durchgeknallt?
Ähm ja.
Vielleicht.

Es hat schlicht praktische Gründe.
Ich habe immer im Bett gelesen, abends vor dem Einschlafen. Immer so 1 2 3 20 Seiten. Mal mehr mal weniger, war irgendwie fast ein Ritual.

Und nun stauben die Bücher auf meinem Nachttisch voll.
Weil ich abends nicht mehr lesen kann.
Weil mein Mann neben mir bei Licht nicht schlafen kann.
Weil das Nachtleselicht zu hell für ihn ist.

Und mir geht das Lesen mittlerweile sehr ab.
Ich vermisse es, und es fehlt etwas. Und ich bin unzufrieden. Und ich sehe die Bücher und würde sie gerne lesen. Aber tagsüber ist es meist nicht meines, aufm Sofa lümmel ich mich eher selten bis gar nicht – und bei Tag ins Bett geht auch nicht.

Was bleibt also übrig wenn ich nachts/abends vorm Einschlafen noch lesen möchte?
Eben, genau, ein Reader. Mit einstellbarer Hintergrundbeleuchtung.
Mit dem geht’s notfalls auch unter der Decke ^^
Hoffe ich.

Ich möchte mir mein Lesen wieder zurückerobern.
Möchte wieder Geschichten, Gedanken, Gefühle lesen und darin eintauchen, gerne auch die Zeit vergessen.
Dafür bin ich bereit den Preis zu bezahlen.
Auch wenn es mir sehr sehr schwerfällt.

Ich bin gespannt.
Und ich kann ihn wieder zurückgeben wenn er mir nicht zusagt.