NaBloPoMo Tag 26 – Schulzeit

10 Tage Schreibpause taten mal ganz gut, war nicht geplant, aber die Tage rauschten so vorbei. Ich hatte einfach keine Lust was zu schreiben, auch wenn das ein oder andere Thema durchaus interessant ist. Vielleicht „benutze“ ich eines der Themen später mal.

#26 Schulzeit – Wenn du noch einmal in der Schule wärst, gibt es eine Sache, die du besser können möchtest? Gibt es etwas, was du bereust nicht richtig gelernt zu haben?

Wenn ich nur das Wort Schule höre sträuben sich mir alle Nackenhaare. War keine schöne Zeit und hat tiefgreifende Folgen bis heute – aber das soll nicht Thema sein. Ich würde andere Dinge (außer „Schulstoff“) nochmal anders machen wenn ich zurückgehen könnte…

Ich war in der Schule immer eher unteres Leistungsdrittel. Gab es eine Vier oder Fünf war es meistens meine, und trotzdem hab ich mich irgendwie mit ‘nem knappen Dreierschnitt zum Abitur gewurstelt. Ich würde nicht sagen dass mich der Schulstoff nicht interessiert hat, aber die Umstände in der Schule machten mir ein freies Lernen praktisch unmöglich. Meine Stärken und Interessen waren auch eher nicht relevant, mit Kunst und Musik lässt sich halt nicht so viel anfangen…

Nach dem Abi hab ich gemerkt dass mir doch so einiges fehlt. Wenn mich jemand auf Englisch nach dem Weg gefragt hat hab ich Panik bekommen, gestottert und konnte nicht antworten. Keine Worte, keine Ahnung – englische Texte oder gar Fernsehen? Keine Chance. 8 Jahre Französisch, davon zwei Jahre LK: null Plan, ich kann nicht mal Brötchen kaufen gehen auf Französisch. Bei einem Urlaub in der Nähe von Bordeaux ist mir richtig bewusst geworden dass ich GAR NIX mitbekommen habe. Ich kann wohl „der kleine Prinz“ oder was vereinfachtes von Sartre lesen, evtl. auch einfache Zeitungstexte – alles andere geht nicht.
Das hat mich schon etwas geärgert, weil ich das alles in der Schulzeit praktisch „geschenkt“ bekommen hätte wenn… ja. Ich hätte wohl auch fleißiger sein müssen.

Ich habe mich davon trotzdem nicht abhalten lassen und habe an der Volkshochschule Hebräisch angefangen zu lernen, und ich war interessiert dabei und angenervt von all denen, die keine Lust hatten zu lernen. Dran geblieben bin ich aber auch nicht.

Ich hatte das Glück – oder Pech? – mein Studium nach 11 Semestern hinzuschmeißen und nochmal komplett von vorne anzufangen. Mit einer Ausbildung inklusive Berufsschule mit Blockunterricht. Und da hab ich einiges wieder „gut“ gemacht was ich 10 Jahre vorher versaut hab. Diesmal habe ich Vokabeln gelernt und Gesetzestexte – und es hat Spaß gemacht. Vor allem wenn dann die Belohnung anhand guter Noten kam. Ich habe auch die Chance genutzt eine neue Sprache „mitzunehmen“. Nach der Berufsschulzeit hab ich nicht weitergemacht damit, aber das ist auch nicht schlimm.

Mit Englisch habe ich mich „versöhnt“. Die Unsicherheit nichts zu können bzw. wieder rumzustottern ist weg. Es steht kein Lehrer mehr vorne der mich auslacht und vor der ganzen Klasse bloßstellt. Und der befriedigt lächelnd die Fünf in sein Buch einträgt.

Mein Mann schaut Serien, Filme und youtube und was weiß ich ausschließlich auf Englisch. Ich konnte mich dem auf Dauer (wir sind seit 13 Jahren oder so zusammen) einfach nicht entziehen, und ich hörte immer zu und mittlerweile merke ich nicht mal mehr ob es deutsch oder englisch ist was ich höre. Oder sehe. Und ich chatte durchaus auch auf Englisch, etwas holperig anfangs, aber das ist ja egal solang sich beide Seiten verstehen.

Und innerlich habe ich dabei immer den Mittelfinger oben und denke mir oft „Du Drecksarschwixer[restzensiert], ICH kann sehr wohl englisch, krepier einfach“

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NaBloPoMo Tag 2 – Weggabelung

Weggabelung
Wann musstest du in der Vergangenheit eine wichtige Entscheidung treffen? Mach dir Gedanken über das andere Leben, was sich daraus hätte ergeben können.

Wichtige Entscheidungen… Joa, da gab es sicher die ein oder andere.
Ich habe zum Beispiel nach 11 Semestern mein Lehramtstudium geschmissen. Es hat immer wieder neue Anläufe gegeben, ein „diesmal schaff ichs“, und doch wurde schnell klar dass es nichts wird. Ich habe nur etwas gebraucht um es mir einzugestehen. Die Alternativlösung Studienortwechsel scheiterte nur daran, dass in Bremen meine Scheine nicht alle anerkannt worden wären und ich aus den 11 Semestern nicht so viel hätte retten können. Und nochmal komplett neu – ne, das stand außer Frage. Also gab es den Cut, und ich habe mit Mitte 20 noch eine Ausbildung gemacht. Etwas völlig anderes, etwas was nichts, aber auch gar nichts mit Kindern, Pädagogik und Unterrichten zu tun hat. Und das war das beste was ich jemals machen konnte.
Und natürlich, wenn ich damals weiterstudiert und die Sache anständig zuende gebracht hätte wäre heute einiges anders. Allein beruflich. Ich hätte wahrscheinlich irgendwo eine Stelle als Lehrerin in einer Grundschule (das war zumindest mein Ziel) und würde den Lütten die Basics beibringen. Mit Glück hätte ich eine gute Schule erwischt, wo ich meinen Unterrichtsstil und meine Lehrmethoden relativ unbehelligt hätte ausbilden können und wäre so vielleicht glücklich und zufrieden geworden.
Vielleicht, und das ist genauso wahrscheinlich, hätte ich nach dem Studium schon keinen Referendariatsplatz bekommen, weil die Prüfungsergebnisse zu schlecht gewesen wären. Abgesehen davon dass man mich wohl erstmal „Zwangsabnehmen“ geschickt hätte. Oder ich wäre an irgendeine allerletzte Hauptschule geschickt worden wo eh niemand hinwill.
So oder so wäre es anders geworden als es jetzt ist.

Meinen Mann hätte ich aber trotzdem gefunden, und ich denke wir wären auch noch zusammen und verheiratet wenn ich Lehrerin geworden wäre. Da bin ich sogar mehr als überzeugt von – sonst hätt ich ihn auch nicht geheiratet.

Im Endeffekt gibt es ja bei fast allen Entscheidungen ein „was wäre gewesen wenn“. Allzu sehr in diese Grübelei versinken ist aber irgendwie, ja, unangenehm und unnötig. Wenn ich meine Entscheidungen bewusst und gut überlegt treffe, Herz und Seele und Kopf mit einbeziehe – dann muss ich dazu stehen und darf nicht anfangen zu hinterfragen. Die Entscheidung ist gut so wie sie ist. Gefällt mir dann das Jetzt nicht muss ich neue Entscheidungen treffen – rückgängig machen geht nicht.

Dein Job soll Dich glücklich machen

Als ich klein war wollte ich Archäologin werden.
Und Runen/Hieroglyphen entziffern. In einem ruhigen dunklen bücherbespickten Raum. Und manchmal auch draußen irgendwelche uralten Teile ausgraben. Später fand ich es reizvoll von oben aus einem Flugzeug auf die Landschaft zu schauen und Spuren vergangenen Lebens zu finden.
Hier in Deutschland gibt es so etwas kaum, was gibt es hier schon auszugraben. Du musst Latein lernen, griechisch und ganz weit weg studieren, vielleicht sogar in einem anderen Land. Und lernen, viel viel lernen.
Ich beließ es dabei.

Als ich klein war wollte ich Lokführerin werden.
In schicker Uniform stolz einen ganzen Zug fahren von A nach B. Wie mein Vater. Ich fand das toll, stundenlang träumte ich davon zu fahren, selber zu fahren.
Eine Frau kann das nicht werden. Als Mann kannst Du notfalls eben mal „hinter die Lok und pinkeln“ – was machst Du als Frau? Und außerdem brauchst du eine handwerkliche Ausbildung dafür, Mechanikerin oder sowas. Und der Schichtdienst, denk daran, das macht auf Dauer keinen Spaß.
Ich nickte und beließ es dabei.

Als ich klein war wollte ich den Himmel entdecken, die Sterne und den Mond.
Mit Teleskopen in den Himmel schauen und alles verstehen was ich sehe.
Ich wusste es war unerreichbar, und beließ es dabei.

Als ich klein war wollte ich Lehrerin werden.
Ich liebte meine Grundschullehrerin und fand toll was sie machte. Das wollte ich auch.
Lehrer sind doch die lebensuntüchtigen Versager. Wenn Du Lehrerin wirst wirst Du enterbt.
Ich nickte und beließ es dabei.

Als ich jünger war wollte ich mit Büchern zu tun haben.
Um mich herum den ganzen Tag nur Bücher und Menschen die gerne lesen. In einer Bibliothek oder Bücherei. Das fand ich spannend, ruhig und ansprechend.
Die stellen keine Leute mehr ein, und außerdem musst Du erst studieren, und das ist bestimmt langweilig und trocken und öde, und einen Job findest Du dann auch nicht.
Ich nickte und beließ es dabei.

Als ich jünger war wollte ich Musik studieren.
Alte Musik. Ich wollte meine Welt ergründen und mich noch mehr tragen lassen. Ich verzichtete darauf das Rauchen zu probieren (Luft ist wichtig) und ich achtete auf meine Finger und Hände. Sie waren unersetzlich für meine Musik. Ich saugte alles auf was ich an Wissen bekommen konnte.
Du musst Klavier spielen können und vorsingen und vorspielen, und theoretische Vorkenntnisse haben.
Ich nickte und beließ es dabei.

Als ich jünger war wollte ich Musikinstrumente bauen.
Die Instrumente erschaffen die diese wunderbaren Klänge erzeugen konnten. Aus warmem Holz, mit viel Zeit und Passion.
Du kannst dort kein Praktikum machen, du kannst die Praktikumszeit nicht um eine Woche in den Ferien verlängern. Ach das ist doch nur eine Flause, davon kann man doch nicht leben, und wo willst Du sowas überhaupt lernen.
Ich nickte und beließ es dabei.

Als ich jünger war wusste ich, ich wollte niemals im Büro arbeiten.
Und Papier von links nach rechts schieben. Und nett angezogen sein, adrett und immer freundlich.

Als ich jünger war wusste ich, ich wollte niemals heiraten.
Ich wollte allein mein Geld verdienen und frei und unabhängig sein, außerdem würde es eh niemals jemanden geben der mit mir zusammenleben würd.

Als ich mich entscheiden musste verbrachte ich viele Stunden bei der Berufsberatung und wälzte Berufsbeschreibungen. Nur um alles, was reizvoll sein könnte wieder zu verwerfen. Zu teuer, zu eklig, zu weit weg, zu schlechte Noten, zu hässlich…

Als ich mich entscheiden musste wählte ich den Kindertraum und begann auf Lehramt zu studieren.
Ich quälte mich Semester für Semester, völlig desillusioniert und immer wieder mit Flashbacks zurück in die eigene Schulzeit. Das, was ich mir versprochen hatte, das was ich wollte war dort wo ich studiert hatte nicht möglich. Theorie Theorie Theorie – keine Praxis, kaum Pädagogik. Einschränkungen im Denken. Vorgefertigte Lehrmethoden, die diskussionslos zu übernehmen waren.
An einer anderen, kleineren Uni wurden die bisherigen Scheine nicht anerkannt.
Ich nickte, brach das Studium ab und beließ es dabei.

Als ich mich entscheiden musste suchte ich mir einen Ausbildungsplatz und jobbte Übergangsweise im Einzelhandel um mich über Wasser zu halten.

Als ich groß war arbeitete ich in einem Büro in einem Nahverkehrsunternehmen. Nach der Ausbildung dort hatte ich meinen Traumjob: Ich war kreativ, hatte mit Menschen zu tun, mit ÖPNV. Ich sah meine Arbeitsergebnisse in der ganzen Stadt. Und ich war verdammt stolz.

Als ich groß war wurde entschieden dass der Job nach nur zwei Jahren betriebsbedingt wegfällt. Offiziell. Inoffiziell wurde mir mehr als deutlich zu verstehen gegeben dass ich den Jobanforderungen nicht im Geringsten genügen würde.

Vielleicht hätte ich doch Archäologin werden sollen.
Oder Lokführerin.
Oder Astronomin.
Oder Bibliothekarin.
Oder Musikerin.
Oder Instrumentenbauerin
Oder Lehrerin.

Mach was Du willst.
Dein Job soll Dich glücklich machen.
Geld ist nicht alles.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte hätte ich das Praktikum bei dem Instrumentenbauer gemacht. Ich hätte dafür gekämpft dass es als Schulpraktikum anerkannt worden wäre.
Und ich hätte mir eine wunderschöne Flöte aus dem Holz gebaut, welches sich mir in die Hand gelegt hätte.
Und wer weiß, vielleicht wäre ich heute in einer kleinen Werkstatt und würde anderen ihre Trauminstrumente bauen.

Oder ich wäre Archäologin, Lokführerin, Astronomin, Bibliothekarin, Musikerin oder Lehrerin.
Alles – nur nicht ohne Job.