Prinzessinenbier

In der Süddeutschen Online stand gestern ein interessanter Artikel zum Thema genderspezifische Werbung (http://www.sueddeutsche.de/stil/genderspezifische-werbung-fleischgewordener-sexismus-1.1707863). Ich bin schon seit langem angefressen von dem rosa Zeug für Prinzessinnen und dem hellblauen Kram für Helden – und da kommt der Artikel gerade zur richtigen Zeit. Pinkstinks meckert schon lange, und via twitter #ichkaufdasnicht sammeln sich die Fails der Marketingspezialisten.

Und immer mehr bekomm ich das Kotzen. Es kann doch nicht wahr sein, was da für ein Bild vermittelt wird bzw WOMIT ich angesprochen werden soll.

Ich bin also eine frei verfügbare Puppe, stets zu Diensten, sexy – und natürlich ohne eigene Ansprüche. Ok, die Produkte soll ich nicht kaufen. Würde ich auch aus Prinzip schon nicht. Warum da nicht langsam auch mal Männer aufbegehren?! Sind denn alle nur sexgeil und darauf aus sich von einer sexy Chick bedienen zu lassen? Kann ich mir nicht vorstellen. Welches Bild wird da von den Männern vermittelt? Auch nicht wirklich ein gutes glaub ich. So einen Mann würde ich als Partner nicht haben wollen. Aber hei – ich bin ja auch gar nicht Zielgruppe.
Das Kinder dieses Bild im Vorbeigehen verinnerlichen und als normal abspeichern – who cares? Zu Zeiten von Youporn, wo Pornos für jeden frei verfügbar sind?!
Es scheint echt normal geworden zu sein, dass es Sex an jeder Ecke gibt, alle gut aussehen, immer können, immer willig sind, maßlos und ohne Grenzen. Und eigentlich ist es irgendwie auch normal, dass damit Werbung gemacht wird. Irgendwie hat es sich verselbständigt, so ein bisschen zumindest. Sex sells, Sex is normal, allgegenwärtig. Durch Fensehen, Radio, Plakate, Werbung. Warum also nicht auch damit Werbung machen?!

Wenn ich nicht dieses sexy Chick bin – dann bin ich etwas unbedarft, blond (im sprichwörtlichen Sinne), stehe auf Rosa und Prosecco und kicher auf dem Sofa mit Freundinnen. Oder ich lade sie zu Kuchen ein. Lachend und kichernd. Und – hei, ich seh bei allem gut aus, egal was ich mache. Ich brauche natürlich extra für mich hergestellte Produkte, allesamt ladylike, sie machen mich zu etwas besonderem. Natürlich müssen die Grillwürstchen fettarm und kleiner sein, also bitte, ich kann doch keine profane Wurst essen, die ist eh viel zu fettig und kalorienhaltig, was sollen denn meine Freundinnen und mein Mann denken. Wieso darf die Frau eigentlich mitgrillen fällt mir gerade ein, was ein Frevel!
Und die Soße muss leicht rosa angehaucht sein, dazu rosa Prosecco, am besten noch von rosa Pappgeschirr. Wird da gerade nur mir schlecht?
Es fehlt für den perfekten Grillabend unter Frauen noch das rosafarbene Bier, leicht perlend, mit wenig Alkohol und wenig Kalorien und leichtem Himbeeraroma. Prinzessinenbier.

Ich geh kotzen.
Ich frage mich, ob wir eigentlich alle auf demselben Planeten leben – oder wieso stören sich so wenige Menschen an dieser speziellen Werbung? Alle abgestumpft? Tot?

Wenn ich Bekannte darauf aufmerksam mache werde ich teilweise etwas irritiert angesehen. Wie oft wenn ich so ein Thema erwähne (#Aufschrei war auch so eines). Leichtes Kopfschütteln, was ich da sehen würde, sei doch nicht so schlimm, ich könne doch auch anderes kaufen, und ich würde da vielleicht ja doch ein klein wenig übertreiben. Und viele sehen es schlicht einfach nicht. Wo sei nun grad das Problem heisst es.

Genau DAS ist das Problem. Genau das.

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Ronaldo in rosa Fussballschuhen

Rosa nervt.
Rosa Mädchen erst recht.
Und das Prinzessinengetue.

Wo ist die Piratin, die auf den Boden spuckt? Nicht dass ich das gut finden würde, aber immer noch besser als die plärrenden Rosa Püppchen die einem irgendwie überall begegnen.

Meine Facebook-Freunde sind teilweise sehr mitteilsam, vor allem die aus den USA. Ich erfreue mich oft an Familienbildern jeglicher Art, zeigt es mir doch ein wenig, wie dort gelebt wird. Ich finde es spannend, manchmal amüsant, manchmal auch irritierend. Wie überall halt.
Aber das was Weihnachten bei vielen Mädchen unterm Weihnachtsbaum lag war echt schon starker Tobac. Rosa in jeder Schattierung, HelloKitty und dazu Prinzessinen-Utensilien jeglicher Art. Und die Kommentare. „wie süß“ „oh,wie eine Prinzessin“ – da möchte man kotzen. Dazu dann ganz stilecht „Dora“. Die ach so taffe, neugierige emanzipierte Dora. Natürlich in Rosa, das hab ich ganz vergessen.
Bei keinem gab es Malstifte oder „neutrales“ als Geschenk, oder ein Buch – alles vorgefertigt und wunderbar die Klischees bedienend. Irgendwie hat das alles einen surrealten Touch der 50er…

Vor drei Tagen dachte ich, ich werde mit dem ganzen süßen rosa Girlie Getue versöhnt: Hat doch eine stolze Großmutter (hoffe es war die oma…) viele viele Fotos ihrer Kleinen vom Fussball veröffentlicht. Viele kleine Mädchen in viel zu großen Trikots und Hosen die einem noch viel zu großen Ball hinterherjagen. Endlich mal ist jemand stolz auf das, was ihr Mädchen macht und schafft – und nicht darauf wie „cute“ sie doch ausschaut. Solche Bilder kenne ich aus Deutschland nicht, hier sind die ganz Kleinen in gemischten Mannschaften unterwegs und ich hab noch keine Bilder einer stolzen Mama von ihrer Kleinen bei einem Spiel gesehen…
Aber zurück zu den Ami-girls beim Fussball. Ich klicke mich freuend durch viele viele Bilder – bis ich bei einem fast aufgeheult habe: hat doch eines der Mädels weisse Fussballschuhe von adidas an – mit Rosa Streifen und Rosa Stollen. ROSA!!!!! Ich falle vom Glauben ab, ich hätte echt nicht gedacht dass die rosa Grütze mittlerweile auch bei Fussballschuhen angekommen ist.

Man stelle sich vor, ein Ronaldo oder Messi würde in weiss-rosa Fussballschuhen auflaufen…